Sommerschur, ein ewiges Streitthema.

Vonaroundthepet

Sommerschur, ein ewiges Streitthema.

Meine Hunde sind nun 13 und 14 Jahre alt. Der große Hund mit inzwischen fast 15 Jahren wird seit nun mehr 9 Jahren geschoren. Ich habe mit ihm bereits sämtliche Argumente, die gegen eine Sommerschur hervorgebracht werden, in all den Jahren widerlegt. Auch in diesem Jahr habe ich den Großen das Fell wieder auf einen Zentimeter gekürzt. Es geht ihm besser und es tut seiner Gesundheit gut.

Pflege ist bei der Sommerschur wichtig

Bestimmte Rassen darf man nicht schneiden oder scheren

Das stimmt so nicht. Es gibt Rassen, die für bestimmte Erkrankungen anfälliger sind. Die meisten Hunde dieser Rassen habe diese Disposition nicht sichtbar. Sie kann sich aber dann zeigen, wenn das Fell zu sehr gekürzt wurde und das hat dann nichts mir der Sommerschur zu tun. Meist sind es hormonelle Erkrankungen. Dies ist aber den wenigsten Haltern bewusst und so wird es auf die falsche Behandlung des Felles geschoben.

Das Fell verändert sich nach einer Sommerschur

Nach einer Sommerschur oder einen Sommerschnitt wächst das Fell nicht mehr ordentlich nach, die Farbe verändert sich oder das Fell verwollt. Man muss nur die richtigen Maßnahmen ergreifen, damit der Hund gut durch den Sommer kommt.

Auch dies Stimmt nur bedingt. Es ist nicht damit getan, nur das Fell zu kürzen, wie es die ahnungslosen Halter gern tun, weil sie denken das ihre Hunde schwitzen. Dabei wird das Fell häufig nicht vernünftig vorbereitet. Zu allererst muss das Fell ordentlich gecardet werden. Es bedeutet nichts anderes, dass die lose Unterwollen entfernt werden muss.

Erst wenn dieser Schritt richtig ausgeführt wurde, kann man das Fell kürzen – ob mit der Schermaschine oder mit der Schere ist dem Fell egal. Nach der Prozedur muss das Fell deutlich häufiger gebürstet werden. Der Zweck darin besteht, dass Fell aufzulockern und die Unterwolle weiterhin zu entfernen. Diese wächst schneller als das Deckhaar. Wenn man den Hund nach der Schur nicht vernünftig pflegt, kann das Wachsen vom Fell erheblich erschwert werden.

Geschorene Hunde bekommen Sonnenbrand

Ja aber nur wenn sie zu kurz geschoren werden. Es macht keinen Sinn einen Labrador oder einen Mops zu scheren, denn dann wird das Fell zu kurz und es besteht die Gefahr der Verbrennung durch die Sonne.

Wenn man es richtig macht, bleiben wenigstens 6mm Fell stehen. Besser sogar noch 10mm. Damit hat der Hund noch eine gute Länge an Fell, dass die Sonne die Haut nicht trifft. Aber auch andere Längen sind möglich, nur eben nicht kürzer.

Das Fell als Klimaanlage

Ein sehr dichtes Fell schützt super vor Kälte. Denn es hält die Körperwärme am Körper. Im Sommer ist es aber so, dass ein Wärmeregulation über die Haut erschwert wird. Die Klimaanlage dichtes Fell funktioniert da leider nicht so gut. Zwar versucht der Körper die Körperwärme über das Fell nach außen abzuleiten, aber ebenso leitet das Fell auch die Umgebungswärme nach innen. Es finden keine große Reflektion statt, wie es immer wieder auf schematischen Skizzen gezeigt wird. Dazu müsste dir Fläche versiegelt sein – ähnlich eines Spiegels oder eines Autos. Beim Auto erkennt man allerdings sehr gut, wir es sich gibt. Die Sonnte wird zwar reflektiert, aber im Innerern staut sich die Hitze. Ähnlich ist es auch mit dem Fell. Ein Teil wird reflektiert und der erste sammelt sich dann am Hund.

Die Funktion des Felles kann man ja sehen …

Hier gibt es einen sehr großen Gedanken mit einem noch größeren Fehler. Seit einigen Jahren wird ein Foto einer Thermografiekamera verbreitet. Auf diesem ist ein Hund zu sehen, der teilweise geschoren ist. Bewiesen werden soll, dass die Körpertemperatur an der geschorenen Stelle höher ist, als an der ungeschorenen. Und darüber, dass die Sommerschur gefährlich sei. Genau dort liegt eigentlich der Fehler.

Denn das Bild zeigt nämlich nicht die Körpertemperatur, sondern die Abstrahltemperatur. Diese ist natürlich an einen kürzeren Fell deutlich höher, da die Wärmeregulation deutlich besser funktioniert. Würden man den ungeschorenen Bereich scheiteln und auf selber Höhe messen, würden man feststellen, dass die Hauttemperatur unter dem nicht geschorenen Fell deutlich höher ist.

Noch besser wäre es, bei zwei Hunden der gleichen Rasse die Kerntemperatur zu messen und dann einen Hund einen Sommerschnitt zu verpassen. Danach geht man mit diesen Hunden einen ausgiebige Runde Gassi und misst dann noch einmal die Kerntemperatur. Und eines vorwegzunehmen, der Hund mit dem kürzeren Fell hat einen niedrigere Temperatur im Vergleich zu dem anderen.

Die Natur hat isch schon was bei dem Fell gedacht.

Die Natur schon, aber die Zucht hat der Natur ziemlich in die Arbeit gepfuscht. Mit den Jahren ist das Fell immer mehr und immer dichter geworden. Dies wird einem erst so richtig bewußt, wenn man Bilder verschiedener Rassen mit einem Abstand von gut hundert Jahren vergleicht.

Früher hatte das Fell noch seine natürliche Funktion. Es gab – aufgrund der anderen Haltungsbedingungen – noch Aufgaben die der Hund nachging und wo der Schutz des Felles eine Funktion hatte. Ein dicker Pelz sollte vor Verletzungen schützen.

Noch heute sieht man beim Pudel durch aus Frisuren, die für seine Arbeit als Jagdhund gedacht waren. Doch welcher Pudel geht heute noch zur Jagd?

Der Gedanke, dass die Natur sich was bei dem Fell gedacht hat, sollte so langsam verabschiedet werden oder die Zucht sollte sich auf „back to the nature“ besinnen.

Hunde regulieren ihre Körpertemperatur durch hecheln

Ja das stimmt. Der einzelne Hund versucht sich über das Hecheln Abkühlung zu verschaffen. Die geschieht über eine Verdunstungskühle. Allerdings schafft dieses Hecheln nicht immer Erleichterung. Die meisten Hunde leben ganz gut mit ihrem Fell.

Doch sollte man das vermeintlich übermäßige Hecheln durchaus ernst nehmen. Es spiegelt nicht unbedingt das Wohlergehen des Hundes wieder.

Im Zuger der Gesundheit kann man an dieser Stelle die Temperatur messen und diese im Auge behalten. Viele Menschen bemerken eine Überhitzung ihres Hundes nicht nicht an der Stelle, wo es noch nicht so gefährlich ist. Wenn der Hund erst umkippt, ist es meist schon zu spät.

Warum die Angst vor kurzem Fell?

Kurzes Fell ist praktisch, gerade im Sommer. Wenn ein Hund nicht gerade auf Ausstellungen vorgestellt wird, hat das Lange Fell nur einen Nutzen für den Halter. Dieser ist optisch.

Das Fell des Hundes wirkt nicht immer so wie wir uns es vorstellen. Gut gepflegt und vielleicht ausgedünnt, kann auch ein Collie optisch im langen Fell geführt werden, ohne dass dieser bei diesen Temperaturen das dichte angezüchtete Fell mit sich herumschleppen muss.

Schauen wir in andere Länder. In Ländern mit wärmeren Temperaturen – also in den südlichen Breitengraden – finden man hauptsächlich Hunde mit kurzem Fell und kaum Unterwollen. In den Ländern wo es eher kühler ist – also in den nördlichen Breitengraden – ist eher dichteres Fell mit viel Unterwolle zu finden.

Diesen Aspekt sollten wir in der Fellpflege und in der Bewertung eines Sommerschnittes mit einfliessen lassen.

Bei der richtigen Pflege …

… kommt das Fell wieder und zwar genau so wie es war. Durch eine Schurr kommt es nicht zu einer veränderten Haarstruktur, es sei denn ich habe einen rauhaarigen Hund. Dies Fellstruktur ist die einzige, welche niemals geschoren werden sollte, sonder immer getrimmt. Wird diese Struktur geschoren, verändert sich tatsächlich die Fellstruktur und Farbe, weil das tote Fell in der Wurzel bleibt.

Ansonsten kann ich weder mit der Schere noch mit der Schwermaschine – so diese gut gepflegt und scharf sind – nicht verändern, denn ich kürze totes Material. Alles was lebt, befindet sich in dem Haarbalg und der befindet sich in der zweiten Hautschicht.

Auch ein eventueller Sonnen – oder Scherbrand kann die Genetik nicht verändern und einen schlechteren Haarwuchs hervorrufen. Eigentlich auch kein Epilieren durch stumpfen Werkzeug.

Wachstumsphasen …

Wie auch bei uns Menschen unterliegt das Hundefell bestimmten Phasen. Diese bestimmen etwas, wie lange es braucht, bis das Haar seine vollständinge Länge hat. Erwische ich die Wachstumsphase, bekommt das Haar recht schnell wieder Länge. Allerdings fehlen dann die feinen Spitzen. Befindet sich das Haar in der Ruhe oder in der Ausfallphase, dauert es etwas länger.

Haarausfall

Ein Haarausfall ist also nichts anderes als eine ganz normale Wachstumsphase. Es ist auch schon lange nicht mehr so wie es mal vor viele Jahren war. Unsere Hunde wechseln nicht mehr nur 2x im Jahr das Fell, sondern wirklich kontinuierlich. Dies hat etwas damit zu tun, dass sich das Klima verändert und zum anderen, weil wir viel enger zusammen leben.

Normal ist das neue Haar dann schon da und es werden auch niemals alle Haare gleichzeitig abgeworfen. Da hat sich die Natur wirklich etwas bei gedacht, denn sonst hätten wir zwischendrin einen Nackthund.

Wenn das Fell wirklich nicht nachwächst …

… gibt es mehrere Möglichkeiten.

Mangel an Nährstoffen

Der Hund bekommt nicht genügend Nährstoffe. Der erste Schritt wäre also die Fütterung auf Mineralien und Vitamine überprüfen zu lassen. Sollte man hier schon einen Mangel entdecken, macht es Sinn zu ergänzen oder eben die Fütterung umzustellen. Hier kann eine Ernährungsberatung helfen

Um einen Mangel, der in der Fütterung nicht zu sehen ist, empfiehlt es sich einen Fellmineralanalyse durchführen zu lassen . Dies ist eine labordiagnostische Untersuchung. Als alternative gäbe es noch die sogenannte Bioresonaz. Allerdings sehe ich diese Methode nur als Hinweisgeber, mit der man weitere diagnostische Schritte gezielt einleiten kann. Eine Blutanalyse ist eher ungeeignet. Hier zeigen sich Mängel erst sehr spät, da der Köprer immer versucht ist, Mängel auszugleichen. Bevor man einen Mangel im Blut sieht, hat man meist schon sehr viele andere Symptome.

Erkrankungen im Hormonregelkreis

Die häufigste Ursache ist allerdings ein hormonelles Ungleichgewicht. Deswegen rate ich immer – wenn sich ein schlechterer Haarwuchs oder eine Veränderung zeigt – dazu, den Tierarzt auf zu suchen. Dieser kann dann einen entsprechende Diagnostik starten. Hier empfiehlt sich immer der Start mit einem geriatrischen Profil. Es gibt noch einige Werte zusätzlich für die Schilddrüse oder Nebenniere – nur um die beiden häufigsten Möglichkeiten zu nennen.

Bei einem gesunden Hund mit bedarfsgerechter Ernährung und vernünftiger fachgerechter Pflege wächst das Fell nach. In der Regel haben die Hund im Herbst wieder ihre volle Pracht.

Eine Glaubensfrage: Sommerschur

Die Sommerschur kann nichts an der Genetik verändern. Es ist im Grunde nur ein Sommerschnitt mit der Maschine, weil es einfach, schnell und auf eine Länge mit sauberen Übergängen zu anderen Längen ist. Man kann das ganze auch mit der Schere schneiden. Es dauert länger und ist körperlich anstrengender. Es macht in der Struktur keinen Unterschied mit was gekürzt wurde: ab ist ab.

Möchte man einen längere Länge behalten, sieht es schöner aus, wenn man die Kanten „verblendet“ und sie sozusagen mit der Schere etwas natürlicher fallen läasst, aber ab ist halt immer noch ab.

Die Sommerschur ist keine Schafschur, welche raspelkurz ist. Es bleibt eine gesunde Länge an Fell auf dem Hund.

Sommerschur vs. OP

Wenn eine Sommerschur einen Schaden anrichten und das Fell verändert, was ist dann mit der Rasur für eine Op? Dort ist das Fell gar nicht mehr vorhanden, denn es wird ja bis auf die Haut alles wegrasiert. Müsste es dann nicht das selbst Phäomen geben, was einer Schur nachgesagt wird?

Das Fell hat halt keine Augen und kann der Wurzel (und damit der Genetik) nicht mitteilen, mit was und wofür das Haar nun bearbeitet wird.

Faulheit

Es ist ein optischer Effekt. Man sieht es natürlich, wenn man statt einem Langhaarhund plötzlich einen Kurzhaarhund hat. Diesen optischen Effekt können Halter von langhaarigen Hunden nicht nachvollziehen und schieben es auf eine Unlust zur Pflege. Das ist nicht der Fall.

Ein Halter, der sich dazu entscheidet, seinen Hund im Sommer eine sportliche Kurzhaarfrisur zu gönnen, muss seinen Hund im Anschluss sogar deutlich mehr und häufiger Pflegen. Denn sonst kommt es nämlich durchaus zu Veränderungen im Aussehen.

Im übrigen überlegen es sich die Halter, welche „pflegefaul“ sind häufig noch einmal, wenn man ihnen mitteilt, dass sich der Aufwand bei der Pflege vergrößert.

Ein guter Groomer macht keine Sommerschur?

Und als letzter Punkt: Ein guter Groomer wird keinen Hund bei einer Sommerschur einfach runterscheren – es sei denn es gibt einen dicken Filzpanzer – ohne die nötigen Vorarbeiten (wie die ordentlichen Entfernung der Unterwolle) getätigt zu haben. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen.

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