Klassische vs. klinische Homöopathie

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Klassische vs. klinische Homöopathie

Seit 20 Jahren beschäftige ich mich mit der Homöopathie. Eigentlich sind des noch einige Jahre mehr. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wann ich meinen Tierheilpraktiker gemacht habe.

Homöopathie war ein sehr intensiver Inhalt, genauso wie Akupunktur, mit dem ich nie so warm geworden bin, oder die Phytotherapie, die ich bevorzuge.

Aber in diesen Jahren ist mir immer wieder bewusst geworden, wie viel die Homöopathie im Allgemeinen mit der Entwicklung der klinischen Homöopathie verloren hat.

Zuckerkügelchen, die keine Wirkung haben!

Genau das ist eine Argumentation, die genau genommen sogar stimmt. Wenn man es wissenschaftlich betrachtet, haben gerade die Hochpotenzen keinen nachweisbaren Wirkstoff mehr.

Auch die öffentlichen Tests, wo Personen ganze Flaschen geleert haben, sollten dies beweisen, was auch wieder stimmt, weil so funktioniert Homöopathie eben nicht.

Ob es ein Placebo oder ein Placebo by Proxy die Wirkung verursacht, ist noch genauso unerforscht – auch wenn es angenommen wird – wie die Suche nach Wurmlöchern und Außerirdischen. Trotzdem gibt es Thesen, dass der technologische Fortschritt mit Technologie von Außerirdischen entstanden sei.

Es ist also eine Glaubensfrage.

Das Spiel mit der Gesundheit und dem Geldbeutel der Hilfesuchenden

Vor 20 Jahren kamen auch die erste Bücher zur klinischen Homöopathie auf den Markt. Es war eine Revolution und sollte die Arbeit erleichtern.

Jede Mutti und jeder Tierhalter konnte plötzlich über den Buchhandel zum Homöopathen werden. Es war so einfach. Die passenden Hausapotheke wurde von den Herstellern sehr schnell mitgeliefert und zusammengestellt.

Natürlich ist es einfach, sich die Krankheit oder das Symptom aus einem Buch zu suchen und dann eine Liste passender Mittel präsentiert zu bekommen. Es wurde noch etwas verfeinert mit einigen zusätzlichen Möglichkeiten und direkt mit der Dosierung und Gabe versehen.

Die Erstverschlimmerung war da natürlich ein positives Zeichen. Sagt sie doch, dass der Körper arbeitet. Im Grunde ist dieses Zeichen einfach nur eine Arzneimittelprüfung und genau genommen ein Fehler.

Nun nehmen wir einmal die Empfehlung „3 Globulies D6 jede Stunde bis zum Eintritt einer Besserung/dem verschwinden der Symptome.“ Zur Anmerkung mir wird jedes Mal schlecht, wenn ich so etwas lese und möchte den „Homöopathen“ einmal ordentlich durchschütteln, weil das hat mit Homöopathie nichts zu tun und so funktioniert sie auch nicht.

Man stelle sich nur einmal vor, der Körper reagiert mit einer Arzneimittelprüfung und bekommt dann stündlich einen neuen Impuls. Klar werden genau diese Symptome irgendwann verschwinden, aber auch nur, weil der Körper sich an den Impuls gewöhnt hat. Jetzt kann man natürlich glauben, dass es gewirkt hat und der Körper mit seiner Krankheit fertig geworden ist.

Weit gefehlt. Das Immunsystem wurde einfach nur über die Massen belastet und hat mit allem geschossen was es hatte.

Mit etwas Glück – oder Pech – je nach dem aus welcher Sicht man es betrachtet, passiert in der klinischen Homöopathie einfach gar nichts. Keine Arzneimittelprüfung und auch sonst nix. Dieser Mensch ist in seiner Problematik verloren, obwohl man ihm hätte vermutlich helfen können.

Die Kritiker fühlen sich dann bestärkt. Leider werden die Kritiker immer mehr und hier hat die klinische Homöopathie einen sehr großen Einfluss. Einen Einfluss darauf, dass die klassische Homöopathie immer mehr in die Ecke der Verschwörungstheorien und Querdenker gestellt werden.

Klassische Homöopathie – was macht sie anders?

In der klassischen Homöopathie wird der gesamte Organismus auf allen Ebenen betrachtet. Es beginnt bei den Symptomen der Erkrankungen, geht über die psychischen Besonderheiten, über Vorlieben in der Ernährung und zum Teil auch nach dem äußeren Erscheinungsbild.

Jedes Mittel hat ein Arzneimittelbild, welches dem Individuum möglichst genau entsprechend sollte. Wenn ich zwei Mittel zur Auswahl habe und beide unterscheiden sich im Merkmal der Statur des Patienten, dann nehme ich das Mittel, welches der Statur entspricht.

Je nach Alter und Erfahrung kann der Homöopath sehr schnell entscheiden welches Mittel passt. Anfänger müssen häufig im Repertorium blättern und die Ergebnisse entsprechend auswerten. Die dazwischen sehen schnell eine Tendenz und können schon einmal ins Bild schauen und vergleichen.

In dieser Form der Betreuung spricht man natürlich sehr viel mit dem Patienten oder Tierhalter. Darum besteht die Annahme, dass diese aufgewandte Zeit schon einen Heilungsprozess einleitet, weil man sich ernst genommen fühlt.

Diese Gespräche im Zusammenhang mit einer homöopathischen Verordnung haben in einer Anwendungsstudie der psychiatrischen Klinik der Charité entsprechende Erfolge gezeigt. Es gab individuelle Gespräche und Verordnungen. Ein gleicher Versuch mit einer einheitlichen Verordnung kippte die Ergebnisse wieder.

In diesem Punkt sieht man sehr deutlich, dass die Individualität der klassischen zur Vereinheilichung in der klinischen Homöopathie einen Unterschied machen kann.

Allein aus dem Grund sind Menschen, die positive Erfahrungen im Rahmen der klassischen Homöopathie gemacht haben offener und das obwohl sie sonst vielleicht in der Wissenschaft zuhause sind.

Irgend einen Mechanismus wird angesprochen. Ein guter Homöopath wird im Falle einer lebensbedrohlichen Behandlung immer an den Schulmediziner verweisen und in dem Fall nur sehr vorsichtig mitbehandeln.

Ein klassisches Beispiel: destilliertes Wasser mit einer Vitalmischung aus Micronährstoffen hat den gleichen Effekt wie ein Mineralwasser oder Leitungswasser. Dennoch sind Menschen der Meinung, dass destilliertes Wasser mit einer Vitalstoffmischung gesünder ist.

Lasst also die Menschen glauben, solange sie sich nicht selber schaden oder anderen schaden.

Homöopathie im Notfall

Genau hier wird die klinische Homöopathie sehr häufig empfohlen. Gerade Anfänger ohne Berufserfahrung nutzen diesen Weg, um sich ins Gespräch zu bringen, aber auch Hausfrauen, Mütter oder Tierhalter die einfach nur helfen möchten.

Insektenstiche, Durchfallprophylaxe, bei spontanen Erbrechen oder akuten Entzündungen kommen die absurdesten Empfehlungen. Manche können helfen, bei anderen kann man nur warnen.

Gerade Durchfall und Erbrechen sind erst einmal nichts schlimmes. Der Körper möchte etwas loswerden, was ihm gerade nicht bekommt. Hier kann man dem Geschehen auch erst einmal seinen Lauf lassen. Wenn es ein länger anhaltender Zustand ist, sollte die Ursache diagnostisch geklärt werden.

Mein stelle sich nur einmal vor, der Hund / die Katze erbricht wegen einem Verschluss oder einer Magendrehung und wir geben erst einmal stündlich 3 Globulis und hoffen dass es aufhört und beachten dabei vielleicht weitere Symptome nicht.

Oder vielleicht eine Vergiftung? Da verlieren wir dann wertvolle Zeit, die unter Umständen das Leben des Tieres retten kann.

Schmerzen oder Prozesse, die sich erst einmal als Entzündung darstellen, in den Gliedmaßen, welche vielleicht ein Problem sind, welches operiert werden muss oder so schmerzhaft ist, dass es ein hochdosiertes Schmerzmittel benötigt, weil es sonst tierschutzrelevant wäre?

Es gibt vieles. In den Büchern ist ein Hauftungsausschluss deutlich definiert und nach den rechtlichen Regelungen gültig. So kann man weder Autor noch Verlag belangen, wenn ein Schaden durch die Empfehlung eintritt.

Ich warte eigentlich immer noch auf den Tag, wo jemand öffentlich jammert, weil er abgemahnt oder in Regress genommen wurde, weil eine Empfehlung keinen deutlichen Haftungsausschluss enthielt und einen Schaden angerichtet hat, weil eine Behandlung zu spät eingesetzt hat.

Diese Fahrlässigkeit zahlt vermutlich auch keine Versicherung. Vielleicht doch, weil es steht ja in Büchern oder wird bereits so gelehrt. Ich stelle leider immer wieder fest, dass „frische Homöopathen“ sich überschätzen und die klassische Homöopathie nicht mehr wirklich beherrschen. Viele wissen noch nicht einmal was ein Repertorium und die Materia Medica ist, geschweige, dass sie jemals wirklich damit gearbeitet hätten.

Gerade im Tierbereich ist es dann eher das dünne abgespeckte Büchlein welches als Repertorium in der Tiermedizin verkauft wird. Für einen Notfall ist es noch super, aber für eine genaue Anamnese eher nicht geeignet.

 

HomöopathieQuelle: Bild von Kai Reschke auf Pixabay

 

Warum ich die Phytotherapie der Homöopathie und den Schüssler Salze vorziehe?

In den Ganzen Jahren habe ich die Veränderungen im Umgang mit der Homöopathie mitbekommen. Ich kenne die Diskussionen und ich habe viele geführt. Mit Anwendern, welche wirklich in der Ecke der Verschwörungen stehen, mit Anwendern der Fraktion: „Bei mir hat es funktioniert, also kann ich es so empfehlen und auch verantworten“, mit Tierärzten die sich der klinischen Homöopathie verschrieben haben und auch mit Klienten, die mir direkt sagten: „keinen Scheiss wie diese Zuckerkügelchen, dafür muss ich nicht so viel Geld ausgeben.

In der Plfanzenheilkunde fühlen sich viele einfach besser aufgehoben. Auch wenn in dem homöopathischen Mittel die selbe Pflanze als Ursprung verwendet werden würde. Bei einer Augenreizung zum Beispiel die medizinisch abgeklärt ist, dass es keine Bakterien sind oder eine Verletzung der Hornhaut, kann Euphrasia gut eingesetzt werden. Ich kann dort Tropfen in einer Aufbereitung empfehlen, welche frei von Schwebstoffen sind und direkt ins Auge können. Ich kann aber auch einen Aufguss aus den Pflanzenteilen nutzen und muss zum einen durch einen sehr engen Filter abgießen und kann es dann nur äußerlich anwenden.

Der Vorteil in der Phytotherapie ist, dass in diesem Bereich immer gern geforscht wird und viel Neues entdeckt wird. Ich kann die Heilkräuter in die Ernährung integrieren und kann hier auch andere Wirkstoffen noch mit nutzen. Das macht die Phytotherapie einfach umfangreicher.

Auch die Mykotherpie ist dort nicht zu verachten und kann deutlich besser wirken weil es im Komplex wirken kann.

Aber ich nutze unter Umständen auch die Schüssler Salze, die Homöopathie oder auch die Bach Blütentherapie sehr gerne. Wenn es zum Klienten und dem Tier passt.

In allen 3 Bereichen der umstrittenen Therapieformen arbeite ich nur klassisch, weil ich möchte, dass eine Wirkung ohne Nebenwirkungen eintritt. In allen homöopathischen Anwendungen haben eine Gabe ausgereicht und es gab keine Erstverschlimmerung, so wie es eigentlich auch sein sollte. Aber ich wende sie eben eher selten an.

Hinsichtlich des neuen Tierarzneimittelgesetzes befindet man sich mit jeder Empfehlung eines Mittels, welches es nicht für Tiere speziell zugelassen gibt in einer tiefgrauen Zone. Selbst der Kauf und die Anwendung am Tier, wenn es nicht für Tiere zugelassen und umgewidmet wurde ist problematisch und kann teuer werden.

Für viele Tierärzte ist diese schwammige Formulierung natürlich super, denn im Grunde muss man nun mit der Empfehlung zum Tierarzt, damit dieser diese verordnet und dann darf man ein Humanpräparat verwenden, wenn es keine Alternative im Vetbereich gibt.

Eigentlich galt dieser Passus nur für neu zugelassene Mittel im vetrinärmedizischen Bereich im Rahmen der Verpackung und in der Verordnung von verschreibungspflichtigen Medikamenten, aber das geht aus der Formulierung nicht hervor. Auch in der Rechtsanwendung und der rechtlichen Erläuterungen ist dieses nicht deutlich genug ausgeführt.

Dies ist auch ein Grund, warum viele Tierheilpraktiker ihre Praxis geschlossen haben, weil sie nicht mehr so frei in der Therapiewahl sind. Viele gute Mittel gibt es nicht für Tiere. Die Produkte für Tiere sind meist doppelt und dreifach so teuer, wie die für den Menschen.

Andere THPs haben ihren Schwerpunkt in der Therapie geändert oder suchen den engeren Kontakt zum Tierarzt, um weiterhin praktizieren zu können.

Im Fazit ist es bitter …

Die Theraiefreiheit wird eingeschränkt. Viele Homöopathen lernen nur noch am Rande die klassische Form und wollen mit schnellen Lösungen aus der klinischen Therapie punkten, weil es so gelehrt wurde oder in der eigenen Anwendung super funktioniert hat.

So führen THP, Homöopathie, Erfahrungstherapeuten und was auch immer Diskussionen über Sinn und Unsinn in einer eigentlich wirklich guten Therapieform.

Homöopathie wirkt, auch wenn die Wirkmechnismen nicht bekannt sind und es vielleicht wirklich nur ein Placebo oder ein Placebo by Proxy ist.

Homöopathie muss man aber können und dass geht nicht nach einer Ausbildung und direkt los, es braucht Jahre. Ich bekam von meiner Dozentin damals – ja vor über 20 Jahren – den Tipp: jeden Abend vor dem Schlafengehen ein Arzneimittelbild zu lesen und jeden Tag einen fiktiven Fall zu repertorisieren. Diesen Tipp kann ich an den Nachwurchs nur weiter geben.

Ich erweitere diesen Tipp noch um einen weiteren Tip: nutze niemals die klinische Homöopathie, wenn du in dieser Therapieform seriös sein und Fuß fassen willst.

Nicht umsonst gibt es den Spruch: du kannst 99x gutes tun, wenn nur einmal was schief geht, verbreitet es sich wie ein Lauffeuer, während über die 99 guten Erfahrungen nicht gesprochen wird.

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