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Die Drohungen und Beleidigungen gehen weiter

Im Grunde wollte ich das Thema um Chico nicht noch einmal aufgreifen. Es war aus meiner Sicht eine gute und die richtige Entscheidung, den Hund schlafen zu lassen. Er hat sich in der Zeit – nach Angaben des Tierheimes – nicht sehr besucherfreundlich gezeigt. Es gab durchaus erkennbare Aggressionen im Zwinger und bei seiner Ausführung. Im Grunde immer dann, wenn er in die Enge getrieben wurde. Eine Vermittlung in ein normales Leben hätte niemals zur Debatte gestanden. Die Folge wäre ein Leben hinter Gittern mit ausschließlichem gesicherten Kontakt.

Gestern Nachmittag, gleichzeitig mit der Presseerklärung der Stadt Hannover, brach der Sturm der Entrüstung wieder los. Hieß es nicht, dass Chico weiterleben und ein eine spezielle Einrichtung verbracht werden solle. Nein so wurde es eben nicht gesagt. Die Aussage war, dass man die Einschläferung aussetze und eine anderweitige Unterbringung prüfe. Zu dieser Prüfung gehörte ebenso eine gründliche Untersuchung.

Letzten Mittwoch wurde es still um den Fall Chico. Das einzige was man noch erfuhr, war, dass er durch entsprechende Fachleute im Tierheim begutachtet werden sollte. Diese war eine Grundvoraussetzung, welche meiner Meinung nach schon viel früher hätte erfolgen müssen. In dieser Situation wurde eine genauere Untersuchung, mit CT, in der TiHo Hannover unter Narkose angeraten.

Eingeschläfert nach medizinischer Untersuchung und unter Bezug der Gesamtsituation

Gestern wurde Chico entsprechend narkotisiert und gründlich untersucht. Hierbei kam heraus, dass seine Zähen im Oberkiefer gelöst beziehungsweise herausgebrochen waren. Diese wären frische Verletzungen. Sie könne beim Angriff oder danach im Tierheim durch das Beißen in die Gitter geschehen sein. Dieses allein mag schmerzhaft gewesen sein. Allerdings wurden auch beidseitig offene Verbindungen zur Nasenhöhle festgestellt. Hier liegen mir keine weiteren Informationen vor, ob es eine tumoröse, bakterielle oder wie auch immer gelagerte Geschichte ist. Es ist im Grunde egal. Eine solche Geschichte ist kein Pappenstiel. Eine Zahnsanierung und eine Kontrolle des Kieferknochens macht man bei einem friedlichen Hund schon nicht einfach so.

Eine Operation wäre machbar gewesen. Hier stellt sich an erster Stelle die Frage: Wer hätte die Kosten getragen? Schon bei der Frage der Übernahme von Kosten für das notwendige CT war klar, dass die Retter diese Kosten der Stadt auferlegten. Man solle diese doch von den Hundesteuern begleichen. Niemand der Unterzeichner für die Rettung von Chico war bereit etwas zu Spenden, damit Chico nicht der Allgemeinheit zur Last gelegt wird. Wie um alles in der Welt hätte man OP´s und Nachsorge finanzieren wollen?

Es ist allein durch eine Sichtkontrolle durch ein Gitter keine anständige Kontrolle der Wunden möglich. Jede Behandlung hätte zur Sicherheit aller in Narkose erfolgen müssen. Es wäre nicht nur eine Op nötig gewesen. Wer hätte sich bereit erklärt, die Versorgung zu machen?

Alles in allem betrachtet: Der Hund war 8 Jahre alt. Gesundheitlich nicht in bester Verfassung. Jede Behandlung hätte eine Narkose bedeutet. Der Körper - insbesondere Leber und Niere – wäre enorm belastet worden und hätten schnell Schäden nehmen können. Folgeerkrankungen mit einer aufwendigen medikativen Therapie mit regelmäßigen Blutwertkontrollen wären die Folge. Jeder Blutkontrolle hätte wiederum eine Sedation bedeutet. Ein nicht enden wollender Kreislauf.

In Anbetracht mit der Tatsache einer entsprechenden nicht tierschutzgerechten Unterbringung, war die Euthanasie in der bereits vorhandenen Narkose eine richtige Entscheidung. Eine solche hätte ich bei dieser Diagnose auch für meine privaten Tiere getroffen, um ihnen weiteres Leid zu ersparen.

Soweit die Geschichte. Jetzt kommen wir einmal zu dem, was mir gestern wieder den Atem genommen hat. Ich kann nicht verstehen, dass angebliche Tierschützer und Tierrechtler so gegen das Wohl eines Tieres sein können, nur weil es bisher kein gutes Leben hatte. Schlimmer noch, wie unglücklich müssen diese Menschen sein, um einen solchen Hass und eine entsprechende Hetze zu verbreiten.

Animal Peace haben in diesem Zusammenhang wieder einmal den Vogel abgeschossen. Nicht nur dass sie die Opfer als Nacktaffen bezeichnet haben, nein nun fordern sie die Todesstrafe für die verantwortlichen Vertreter der Stadt, der TiHo, des Tierheimes und des Landwirtschaftsministeriums.

Andere Hundenot- und Rasserettungsvereine wollen Strafanzeige wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz stellen. Klar das Leben in einem Zwinger ohne Kontakt zu einer Bezugsperson und ohne wirklichen Auslauf, dafür aber mit Schmerzen ist natürlich tierschutzgerechter.

Es hagelt Beleidigungen und Vorwürfe. Man glaubt natürlich der Diagnose nicht und forderte eine Untersuchung durch eine unabhängige Tierärztin, welche sich ja angeboten hatten. Als ob diese wirklich unabhängig gewesen wäre ...

Selbstverständlich wurden auch direkt eine neue Petition eröffnet. In dieser fordert man eine lückenlose Aufklärung und Einsicht in die Unterlagen. Man möchte das die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und ein Exempel statuiert wird. Dazu möchte man für Chico eine Gedenkstätte. Hier stellt sich die Frage, was sich die Menschen eigentlich bei solchen Forderungen denken. Möchte man wirklich eine ganze Stadt stigmatisieren? Die Hinterbliebenen auf immer und ewig an diese Tragödie erinnern und als Täter darstellen? Es ist viel schiefgelaufen, aber irgendwo muss man doch mal eine Grenze setzen. Sollen wir nun für jeden Hund, welcher seiner Rasse und seinem Temperament nicht entsprechend gehalten und betreut wurde, der auffällig wurde ein Denkmal setzen. Jedem Hund der einen Menschen getötet hat oder der von der Polizei im Einsatz erschossen wurde?

Das Tierheim Hannover hat gestern seine Seite auf Facebook Offline gestellt. Vermutlich das Beste. In deren Haut möchte ich nicht stecken. Hätte man von Anfang an eine »kein Kommentar« Taktik gefahren, wäre das Thema nicht so aufgekocht. Nun muss man mit den Konsequenzen der medialen Aufmerksamkeit leben. Die Stadt wird vermutlich ebenso überrannt werden. Die Staatsanwaltschaft und Polizei hoffentlich nicht zu viele Anzeigen bearbeiten müssen.

Wie kann eine bessere Prävention aussehen?

Wie ich vom ersten Tag an sagte, halte ich diesen Schritt aus Tierschutzsicht für den einzig richtigen. Leben retten ist zwar schön, aber nicht um jeden Preis. Genauso wie ich jeden Vorfall einer individuellen Prüfung vorlegen würde. Ich halte nichts von den Rasselisten mit ihren Auflagen. Eine Sachkundeprüfung mit einem Hundeführerschein halte ich für eine bessere Strategie. Dazu eine Meldepflicht von Versicherungen und Ärzten von Hundebissen. Nicht nur von den Humanmedizinern, sondern auch für Tierärzte. Danach eine entsprechende Vorladung von beiden Parteien dieses Vorfalls. Nach einer entsprechenden Faktenbewertung können dann weitere Schritte eingeleitet werden. Sei es eine Verwarnung, Auflagen wie Besuch einer Hundeschule, Leine oder Maulkorb oder die Vorstellung zum Wesenstest mit entsprechender Einstufung als gefährlicher Hund. So gibt es keine Stickmatisierung einer bestimmten Rasse, sondern eine gezielte Einstufung von wirklich auffällig gewordenen Hunden.

Für Menschen, die sich durch Hunde in der Nachbarschaft belästigt fühlen oder gar Angst vor diesen haben, sollte es eine einfach und durchaus anonyme Meldungsmöglichkeit gebe. Hier sollte auch der Verdacht einer nicht artgerechten Haltung gemeldet werden können. In der direkten Nachbarschaft ist die Hemmschwelle einer Meldung von auffälligem Verhalten durchaus hoch. Man möchte den Leuten ja auch nichts Schlechtes. Oft sind aber die Halter selber einfach überfordert und brauchen Hilfe. Hier kann man schon früh entgegenwirken. Hilfe anbieten oder Auflagen erstellen.

Dies ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit entsprechende Fälle, wie die der letzten Wochen, sinnvoll zu verhindern. Dazu könnte in jeder Gemeinde eine spezielle Stelle eingerichtet werden, die sich dieser Meldungen annimmt und diese prüft. Berlin mit seinem Tierschutzbeauftragten hat es vorgemacht. Damit wird das VetAmt entlastet und bekommt nur noch die wirklich brenzligen Fälle auf den Tisch. Dazu könnte man eine Tierschutzpolizei dem Ordnungsamt unterstellen. Dis sind allerdings alles Dinge, welche man auf der politischen Ebene angehen.

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