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Sommerschur – Weil die Zeit wieder reif ist

Der Frühling erwacht so langsam mit all seinen Facetten. Der Fellwechsel bei vielen Tieren ist ein weiteres Indiz für die kommende Jahreszeit. Bei einigen Tierhaltern stellt sich wieder die Frage: Fell scheren ja oder nein?

Wie in den letzten Jahren fangen schon jetzt die Diskussionen über Sinn und Unsinn der Sommerschur an. Die Befürworter verweisen auf die Thermoregulation und auf die Tatsache, dass eine Fellwuchsstörung andere Ursachen hat, als eine Kürzung des Haares. Die Gegner verweisen auf Veränderungen des Felles und das es für das Tier keine Erleichterung ist.

Da ich diese Diskussionen ebenso jährlich wieder führe, habe ich mich zu einer Ausbildung zum Groomer entschlossen. Der Tierheilpraktiker in mir sagt immer, dass es dem Haar egal ist, ob es mit der Schere in Modell geschnitten oder mich der Maschine auf eine Länge X geschoren wird. In der Groomerausbildung lernte ich dann, dass man davon ausgeht, dass die Unterwolle vorher nicht ausgebürstet wird und deswegen das Fell verändert und zu Problemen führt.

Als Laie reicht es, wenn man die drei Hauptgruppen in den Hundefellen kennt. Da ist das sogenannte einschichtige Fell. Dieses darf geschoren werden. Es gilt als das Einzige, wo eine Schermaschine zum Einsatz kommen kann.
Ein weiteres Fell ist das Mehrschichtige. Hier gibt es Deckhaar und Unterwolle. Hier muss die Unterwolle ausgebürstet werden. Bei den meisten Hunden reicht dieses tatsächlich aus. Damit der Hund hübscher aussieht, kann man die Konturen des Deckfelles mit der der Schere etwas einkürzen.
Dann gibt es noch das Trimmfell. Ein Fell, dass gezupft werden muss. Dieses kann man mit der Hand oder mit verschiedenen Werkzeugen tun. Für viele Halter ist dieses fast zu viel Arbeit und sie lassen es lieber machen. Bei diesem Fell kann man am Ende das frische Fell noch etwas in Modell bringen, aber meist ist es nicht nötig.

Spannend wird es, wenn man neben den Felltypen auch noch nach Schneide- und Scherhunde unterscheiden möchte. Um ehrlich zu sein: Das mache ich nicht. Ich schaue was gemacht werden muss und wie ich es am besten angehen kann. Mal wird es die Maschine sein, dann wieder eine normale Schere oder vielleicht doch eine Effilierschere. Eines ist gewiss: Ohne Vorbereitung geht gar nichts.

Warum spaltet die Sommerschur die Nationen?

Einen Grund hatte ich in diesem Zusammenhang schon genannt. Man geht davon aus, dass der betreffende Hund mit Unterwolle nicht gepflegt wird. Der Besitzer wird als faul betitelt und dass er sich dann halt keinen solchen Hund hätte holen dürfen, wenn er sich die Arbeit nicht machen möchte oder Geld für eine Pflege ausgeben will.

Dies sind wirklich harte Worte, wenn ich überlege, dass ich meinen Feyd einmal in der Woche zur Pflege auf dem Tisch habe. Natürlich könnte ich auch täglich mit der Bürste bei ihm durch das Fell gehen. Bei uns reicht es aber einmal die Woche. Dies ist individuell. Ich habe eine Rotation. So wird wöchentlich nur gebürstet und gekämmt. Monatlich kommt das Cardingtool dazu und die Unterwolle rausgeholt. Das zusätzliche Bad ist unterschiedlich. Mal liegt ein Monat dazwischen, dann wieder drei. Spätestens alle 3 Monate wird definitiv gebadet. Jede Woche werden die Krallen und Pfoten kontrolliert. In Modell geschnitten nach dem Bad. Zeitaufwand – je nach dem – zwischen 30 Minuten und durchaus 3 Stunden (wenn der Fellwechsel die Unterwolle komplett abschmeißen lässt)

Wenn man den Argumentationen der Sommerschurgegner Glauben schenkt, müsste dieses ausreichen und der Hund gut durch den Sommer kommen. Leider ist es nicht immer der Fall. Feyd neigt bei Hitze zu Verhaltensveränderungen bis hin zu Aggressionen. Kürze ich sein dichtes Deckhaar schrittweise auf einen Zentimeter herunter, wird dieser Hund entspannter. Warum soll ich meinen Hund leiden lassen, wenn ich ihm helfen kann?

Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang ist, dass automatisch davon ausgegangen wird, dass man den Hund dann nicht mehr pflegt. Dies ist ebenso wenig der Fall. Die Routinen bleiben dieselben. Es wird weiterhin regelmäßig gebürstet, gekämmt und die Unterwolle entfernt. In den ganzen Jahren (in diesem Sommer sind es 7 Jahre), in denen ich diese Prozedur schon mache, ist das Fell ohne Veränderungen im Herbst wieder dagewesen.

Diese Tatsache – und dass ich selbiges schon bei anderen Hunden gesehen habe – sagt mir, dass es bei der Sommerschur richtig und falsch gibt. Es ist wie bei vielen anderen Dingen: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Leider ist es tatsächlich so, dass es Hundehalter gibt, die sich eine Maschine kaufen und das Fell bis auf die Haut runterkürzen. Das ist ohne Frage absolut falsch und unverantwortlich. Unakzeptabel ist es in diesem Zusammenhang auch, dass es Hundefriseure gibt, die diesem Wunsch nachkommen. Die Begründung, dass wenn man es nicht machen würde, der Kunde zu jemand anderem gehen würde, der es macht, ist genauso falsch, wie eine Schur ohne Vorarbeit zu machen, nur weil der Kunde es wünscht. Besonders dann, wenn es genau dieselben Menschen sind, die an anderer Stelle gegen die Schur wettern.

 

Beratungen müssen intensiviert werden

Persönlich sehe ich es so, dass eine ausführliche Beratung meist Wunder wirkt. Der Mensch wußte es gar nicht anders und war mit der Wolle und dem Fell überfordert. Ordentlich erklärt, was warum und wie besser ist, hilf solchen Leuten mehr und sie werden definitiv zufriedener sein. Ich habe es so erlebt und werde nicht auf Wunsch nur was abscheren. Meine Maschinen sind mein Kapital, die ich nicht durch so etwas zerstören möchte.

Nach einer ordentlichen Pflege kann und sollte man erst einmal schauen, wie das Tier nun mit der Wärmeentwicklung zurechtkommt. Das Fell kürzen kann man zu einem späteren Zeitpunkt immer noch.

Fassen wir es noch einmal zusammen: Für das Deckhaar eines mehrschichtigen Felles macht es keinen Unterschied, ob es mit der Schere um einen Zentimeter gekürzt wird oder ob es mit der Maschine auf einen Zentimeter. Solange man im Vorfeld und danach das Fell regelmäßig bürstet und die Unterwolle entfernt. Es ist aber so, dass bei den meisten Hunden das richtige Entfernen der Unterwolle ausreichend ist.
Bei einem Labrador hilft regelmäßiges Baden und Föhnen ganz gut, um dem Fellregen Herr zu werden. Sonst wird es ein Kampf gegen Windmühlen. Möpse und Co fallen dort mit rein. Dann gibt es die Mischlinge, die man ausgiebig bürstet und nichts mehr aus dem Fell holt. Doch kaum hat man die Bürste weggelegt und kuschelt diesen, rieselt es schon wieder. Hier hilft trimmen (zupfen). Das geht gemütlich abends vor dem Fernseher. Hier kommt es gern mal mit den Stockhaar und Terriermischlingen vor.

Ich muss gestehen, ich habe mich über die Jahre schon perfektioniert, doch die Ausbildung hat mir den letzten Schliff gegeben. Ich weiß nun, dass ich zwar schon das richtige Werkzeug im Haus hatte, es aber noch besser einsetzen kann. An meiner Meinung und Einstellung zur Sommerschur hat es nichts geändert. Eher im Gegenteil. In ruhigen Gesprächen von Person zu Person kann man Missverständnisse ausräumen und Aufklärung schaffen. So wie ich in manchen Dingen in der Pflege meinen Blickwinkel geändert habe, konnten es andere Personen ebenso.

 

Sommerschur ja, aber nur mit entsprechender Pflege und nicht bis auf die Haut.

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