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Ja, ich bin ein schlechter Groomer ...

... denn ich schere meinen Hund, welcher ein Fell mit Unterwolle hat. Ich verstoße gegen jegliche Ethik, habe keine Ahnung, bin schlecht ausgebildet, weiß nichts über die Funktion und die Physiologie des Felles, der Haut und des Haar im Einzelnen. Ich schade meinem Hund und das arme Tier und überhaupt ...

Aber ist das wirklich der Fall? Bin ich wirklich so "dumm" und habe keine Ahnung von Genetik, Anatomie und Physiologie? Weiß ich nichts über Funktion von Fell und Haut? Bin ich schlecht ausgebildet? Schade ich meinem Hund?

Bilden Sie sich Ihr eigenen Urteil ...

 

Physiologie (plus ein bisschen Anatomie)

Wenn man sich die Haut anschaut, dann stellt man fest, dass sich der Aufbau nicht sonderlich von der Haut des Menschen unterschiedet. Dies ist durchaus darin begründet, dass wir alle Säugetiere sind.

Dies bedeutet aber auch, dass die Haarfolikel und die Wurzeln tief in der Haut liegen. Hier werden die Informationen über Wachstum, Farbe, Struktur oder Länge gespeichert. Wenn ich also das die Wurzel nicht richtig ernähre, kann diese ihre Aufgabe nicht wirklich tuen und das Haar wird sich verändern. Wenn der Hund ein hormonelles Problem hat, dann wird sich das auf den allgemeinen Stoffwechsel auswirken und so auch die Informationen verändern. Erkrankungen und Parasiten können einen Einfluss auf Haut und Haar haben. Aber ein Schnitt oder eine Schur? Wie soll die Wurzel und das Follikel in der zweiten Hautschicht wissen, was oben passiert? Das Haar was wir sehen und anfassen können ist im Grunde totes Material. Es ist ein Hautanhanggebilde, welches aus Keratin besteht.

Eine der Aufgaben der Haut ist die Thermoregulation. Also die Regulierung der Körpertemperatur. Dieses sollte man auf keinen Fall mit dem Schwitzen verwechseln. Wir Menschen schwitzen als Teil dieser Thermoregulation und nutzen die Verdunstungskühle. Bekanntermaßen können Hunde nicht schwitzen. Gut stimmt nicht ganz über die Pfoten können sie schwitzen und die Verdungstungkühle erfolgt auch über das Hecheln.

Nun wie wird die überschüssige Körperwärme bei einem Hund vom Körper abgeleitet? Wie kommt es überhaupt zu überschüssigen Körperwärme. Wärme ist ein Produkt des Stoffwechsel. Der Stoffwechsel arbeitet immer, selbst wenn wir schlafen. Auch bei uns Menschen ist es so. So ist uns wärmer, wenn wie uns körperlich bewegen oder wenn unsere Umgebungstemperaturen steigen. Wir können uns ausziehen und so mehr Haut zur Abstrahlung freilegen. Ziehen wir uns nicht aus, hängt es von der Leitfähigkeit unserer Kleidung ab.

Der Hund kann sich nicht ausziehen. Je länger und dichter das Fell ist, desto schwieriger wird es mit der Regulierung der Körpertemperatur. Die Wärme wird an den Haaren entlang geleitet. Wenn es nun draußen kühler ist, funktioniert das ganz gut. Wenn man nur aber eine Außentemperatur von 37 Grad hat, wird es durchaus schwieriger. Die Wärmeleitung geht in beide Richtungen und irgendwann geht es nicht mehr vor und zurück. 

 

Funktion vom Fell

Nun ja, früher sollte das Fell wärmen, vor Wasser schützen, Verletzungen verhindern. Aber heute? Nur die wenigsten Hunde kommen heute noch ihrer ursprünglichen Funktion als Arbeitshunde nach. Nur die wenigsten Hunde leben wirklich noch draußen auf dem Hof und im Zwinger. Die meisten Hunde leben doch in der Hauptsache als Haushund und Familienmitglied.

Dazu kommt die Veränderung der Zucht. Viele Hunde haben sich in den letzten 100 Jahren ganz schon verändert. Das macht sich nicht nur an Größe, Körperbau und Gewicht bemerkbar, sondern auch am Fell. Einige Bilder findet man hier. Oft hat sich das Fellvolumen verdreifacht. Wie soll das noch gesund für den Hund sein?

Im Grunde hat das Fell heute nur noch die Funktion als Schutz vor Verletzungen und für das rassetypische Aussehen für die Ausstellung und Zucht zu sorgen. Das scheint auch ein Punkt zu sein, warum man der Meinung ist, dass eine Schur schadet. Der Mensch ist ein Augentier. Wenn der Collie plötzlich kurze Haare hat, dann ist es nicht mehr schön und sieht affig aus. Ehrlich? Nicht wirklich. Es gibt ja inzwischen in der Zucht tolle Kurzhaarcollies und affige Frisuren ... nein darüber reden wir jetzt mal nicht 🙊

 

Wie kann das Haar unterscheiden...

Hat das Haar Augen? Hat die Haut eigene Ohren und ein Gehirn? Scheinbar schon. Bisher konnte mir noch niemand erklären, wie das Haar, die Haut und das Follikel unterscheiden, ob es sich um eine medizinisch notwendige Rasur oder eine Schur im Sommer handelt. Ebenso warte ich immer noch auf die logisch nachvollziehbare Erklärung wie das Haar unterschiedet, ob es mit der Schere geschnitten oder mit der Maschine geschoren wurde.

Diese Fragen wird mir niemand beantworten können, weil es weder anatomisch, noch genetisch oder gar physiologisch eine Erklärung dafür gibt.

Wird das Haar für eine Op rasiert, wächst sie ohne Probleme wieder nach, so der Hund gesund ist und keine hormonellen Probleme hat und vernünftig ernährt wird. Gut je nach Wachstumsphase des Felles bzw. der einzelnen Haare, könnte es etwas dauern. Aber es wird problemlos in Struktur und Farbe nachwachsen. Es wird die genetisch gespeicherte Länge erhalten. Wenn ich dieselbe Stelle nun mit einer Maschine oder Schere kürze, wird sich daran nichts ändern, auch wenn es nicht für die Operation ist. Ich kann mit der Schere über den Kamm bis auf 2,5 cm kürzen und ich kann diese Länge auch mit der Maschine erreichen. Wo liegt der Unterschied? Wie soll das Haar dieses Unterscheiden, wenn es nur Kreatin ist und die genetischen Informationen in der 2. Hautschichten liegen? Schauen wir uns mal die physikalische Funktionsweise von Schere und Schermaschine an. 

 

 

Man kann sehen, dass es im Grunde dieselbe Bewegung ist. Bei der Schere gehen zwei Schnittflächen zusammen und bei der Schermaschine auch. Hier könnte man argumentieren, dass die Schere schärfer ist. Aber ich gehe jetzt mal von gut geschliffenen und gepflegten Scherköpfen und Scheren aus. Dann macht es keinen Unterschied. Den Unterschied, welchen ich gelten lasse, wäre das subjektive Empfinden des einzelnen Menschen. 

 

Die Thermografie

Dieses Bild kennt, glaube ich, inzwischen jeder.

 

Quelle: https://www.facebook.com/ReutlingerHundesalon/photos/a.223776034388586/1074226076010240?type=3&sfns=mo

Quelle: https://www.facebook.com/ReutlingerHundesalon/photos/a.223776034388586/1074226076010240?type=3&sfns=mo

 

Dieses Bild soll erklären, dass eine Sommerschur schlecht ist und das man nur einen Sommerschnitt machen sollte. Das Fall soll den Hund kühlen und so.

Hier liegt die Krux ...

Das Gegenstück zum Menschen gibt es auch auf Facebook. Es wird behauptet, dass auf dem Bild mit dem Hund die Hauttemperatur gezeigt würde. Das ist nicht der Fall. Es wird die Oberflächentemperatur gezeigt. Schaut euch mal ein Bild von einem Haus an. Glaubt hier jemand wirklich, dass es im Haus die gleiche Temperatur hat, wie Außen? Wenn man die Hauttemperatur messen möchte, um zu vergleichen, ob diese höher, gleich oder niedriger zu dem geschorenen Teil liegt, dann muss man das Fell im vorderen Bereich des Hundes scheiteln. Nur dann könnte man eine Aussage zum Schutz vor der Hitze treffen. Ich kann nicht verstehen, dass man dieses Bild immer noch - nach all den Jahren - missbraucht, um Menschen ein schlechtes Gewissen machen zu wollen. Ich kann aber auch nicht glaube, dass Menschen wirklich so wenig physikalisches Verständnis haben und wirklich glaube, dass es sich auf dem Bild um die Hauttemperatur handelt. 

 

Was nun Sommerschur oder Sommerschnitt?

Ob man den Hund mit einer Maschine oder mit einer Schere für die Sommer schicke macht und welche Länge man verwendet, ist erst einmal persönlicher Geschmack. Vom Prinzip her kann man sagen, ab ist ab und wächst wieder nach. Ich kann mit der Schere genauso viel Murks anreichten wir mit der Maschine.

Ja ich kenne sie die Hunde die so schlecht geschoren oder geschnitten sind, dass einem das Herz blutet. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich der Typ Fell erhalten bin und lieber etwas mehr Fell lasse, wenn es zum Hund passt. Aber ja ich bin auch Vertreter vom Team Sommerschur, wenn es nötig ist. Ich betrachte es individuell. 

 

Die Unterwolle muss raus

Im Grunde gehen die Gegner der Schur davon aus, dass man faul ist und sich nicht die Arbeit macht, die Unterwolle zu entfernen. An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich auch schon Sommerschnitte mit der Schere gesehen habe, wo die Unterwolle noch komplett im Fell war.

Also ist es erst einmal egal, wo mit ich an den Hund gehen, als erstes muss die Unterwolle raus. Denn es ist tatsächlich so: Wenn ich die Wolle nicht entferne, tue ich dem Hund keinen Gefallen und verschaffe ihm keine Erleichterung.

Es gibt mehrere Möglichkeiten die Wolle zu entfernen. Man kann sie mühsam (für Mensch und Hund) ausbürsten.

Man kann den Blower (einen besonderen Fön mit ordentlich Power) nehmen und das Fell ordentlich durchpusten. Dieses sollte man allerdings nur in einem Raum machen, den man gut reinigen kann. Es ist sehr laut. Also muss man dort auch schauen, wie der Hund damit zurechtkommt.

Dann gibt es die Alternative Bad. Ja auch Baden befreit ordentlich von Wolle. In Kombination mit dem Blower eine wahre Wunderwaffe. Es ist nicht so anstrengend und der Zeitaufwand hält sich in Grenzen - also für die Behandlung, nicht fürs putzen.

Es gibt aber auch die Kombination: Grob alles auf die gewünschte Länge abscheren, baden, blowern und dann den Feinschliff in Form von noch einmal Nachscheren.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass man nach Unterwolle raus auch noch einmal individuell schauen kann. Manchen Hunden reicht es aus, um entspannt durch den Sommer zu kommen, wenn diese ihre Wolle los und in Kontur geschnitten sind. 

 

Weitere Pflege

Hier kommt der weitere Irrglaube der Schurgegner. Sie glaube, die Hunde würden danach nicht gepflegt werden. Ich bürste meine eigenen Hunde dennoch mindestens einmal in der Woche. Meine Empfehlung geht auch - je nach Fell - dazu dieses von täglich bis mindestens einmal in der Woche ordentlich zu tun. Auch empfehle ich weiterhin regelmäßige Nachfolgetermine zur Fellpflege. Meine Tiere werden weiterhin regelmäßig gebadet und von nachwachsender Wolle befreit. Zum Winter haben sie wieder ein tolles wuscheliges warmes vollständiges Fell. Also der Feyd. Lenny ist da ja eh anders. 

 

Felllänge

Scheinbar wird geglaubt, dass man mit der Maschine nur raspelkurz und bis auf die Haut kann. Schafschur wäre da so ein Vergleich. Dieses ist aber nicht der Fall. Denn auch mit der Maschine kann man verschiedene Längen machen, genauso wie mit der Schere. Hier hat vermutlich aber jeder auch seine bevorzugte Länge, aber ich kennen niemanden der bis auf die Haut schert. 

 

Warum rate ich zur Schur?

Wie schon gesagt, ich betrachte diesen Punkt individuell. Für mich steht das Wohlbefinden und die Gesundheit an erster Stelle. Nehmen wir als Beispiel Feyd.

Er hat ein Mischfell. Ich habe das Gefühl, der hat von allen Fellen etwas in seinem genetischen Cocktail. Seit 2011/2012 wird er jedes Jahr im Sommer geschoren. Sein Fell hat sich weder in Farbe noch in Struktur verändert. Er plüscht zum Winter hin ordentlich auf, dass er auch bei Minusgraden ohne Mantel gut unterwegs ist. Je nach Temperaturenlage und Verhalten trägt er im Sommer zwischen 2,5 bis 1cm Fell. Gut in diesem Jahr bin ich das erst mal unter einem Zentimeter gegangen. Mein Hund ist inzwischen fast 13 Jahre alt, hat ein Herzproblem und kam noch nie gut mit der Hitze zurecht. Es gibt ihm gesundheitlich und vom Verhalten her besser. Er kann auch bei 25 Grad im Wohnzimmer entspannt schlafen und hat nicht wirklich Probleme, wenn die Temperaturen im Haus auf 30 Grad klettern. Er kommt besser hoch und sein Gangbild hat sich verändert. Feyd wird kein junger Hund, aber er nimmt mehr am Leben teil. Er hat auch jetzt noch genügend Fell, dass die Haut vor der Sonne geschützt ist und bekommt damit keinen Sonnenbrand.

Der Lennox hingegen braucht keine Schur, da reicht es das lose Fell zu entfernen und die Wolle rauszuholen. Hier und da werden die Konturen etwas nachgearbeitet und fertig. Er ist dennoch den ganzen Tag im Garten und zum Teil in der prallen Sonne. Allerdings habe ich ihn in diesem Jahr auch im Bereich des Kragens geschoren. Der Herr trägt dort 12mm. Die Länge die auch sein restliches Fell hat.

Ein kürzeres Fell hat noch weiter Vorteile: man sieht Parasiten und Hautveränderungen schneller. 

 

Clipper Alopezie

Noch ein Wort zu dem Haarausfall, welcher durch das Scheren hervorgerufen werden soll. Ich habe sie noch nicht ein einziges Mal live gesehen und ich arbeite gern mit der Schermaschine.

Wenn es durch die Wärmeentwicklung des Scherkopfes kommen soll, dann müsste dieser sehr heiß werden, damit die thermische Einwirkung durch die Hautschichten dringt. Dieses müsste hochgradig Verbrennungen sein, die von einem Tierarzt behandelt werden müssen und damit wäre die Haut vernarbt.

Sonnenbrand, weil die Sonne ungehindert auf das Fell scheinen kann? Hand hoch, wer hat Haarwuchsprobleme nach einem Sonnenbrand? Ich hatte schon ordentlich Sonnenbrand mit hübschen Brandblasen, aber mein Fell ... ähm Haare sind deswegen an diesen Körperstellen nicht weniger geworden.

Meine einzige Erklärung für dieses Phänomen wäre immer noch: Ungepflegter und stumpfer Scherkopf, der sich als Epiliergerät entpuppt und das Haar nicht mehr schneidet, sondern ausrupft. Aber mal ehrlich - zumindest die Frauen werden es vermutlich bestätigen können - das tut höllisch weh. Der Hund sollte dort also durchaus Schmerzreaktionen zeigen.

Bleibt also eigentlich nur ein gesundheitlicher Aspekt, welcher durch die Schur zum Vorschein kam und wo es vielleicht gut ist, dass es so entdeckt wurde und eine entsprechende Diagnostik samt Therapie eingeleitet werden kann. 

 

Im Fazit

Nein es ist nicht die Schur an sich, die dumm, gefährlich oder gesundheitsschädigend ist. Sondern die Art der Pflege und Art der Schur. Es gibt durchaus noch viel aufzuklären, aber nicht zum Thema warum eine Schur schlecht ist, sonder eher in die Richtung warum das Werkzeug keinen Unterschied macht, weil das Fell keine Augen hat und die Wurzel es gar nicht mitbekommt, was oberhalb der Haut geschieht. Ja wir brauchen bessere Standarte in den Ausbildungen zum Groomer, welche etwas tiefer in die Bereiche der Anatomie und Physiologie eingehen.

Im Grunde ist es wie jedes Jahr: Es prallen Meinung und Wissen aufeinander und Wissen mit Meinung verwechselt. Fassen wir zusammen: Das Fell unterscheidet nicht, wo mit es gekürzt wird. Es verändert sich nicht, nur weil es für den Sommer geschoren wurde oder ähnliches. Vorausgesetzt der Hund ist gesund und wird weiterhin gepflegt.

Nein das ist keine Aufforderung jeden Hund zu scheren. Wie schon gesagt, ich mag Fell und ich bin dafür dieses zu erhalten. Aber wenn der Hund ein Problem mit der Hitze hat und es nicht möglich ist ihm anderweitig ein Erleichterung zu verschaffen, sollte man es als Versuch in Betracht ziehen. Als immer schon individuell, wie beim Futter auch. Es gibt nichts, was für alle Hunde passt und man muss auch nicht zwanghaft versuchen etwas passend zu machen.

Von daher genießt den Sommer, egal ob mit Sommerschur oder Sommerschnitt. 

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