Nein man muss nicht alles machen ...

Die Tage gab es einen Aufschrei. Eine Kollegin - bekannt aus Funk und Fernsehen - nimmt wieder Neukunden an. Für diese werden aber Voraussetzungen gesetzt. Diese Voraussetzungen sorgten für einigen Unmut. Nicht nur bei potentiellen Kunden, sondern auch bei Kollegen.

Ich finde es völlig richtig, für sich Grenzen zu setzen und diese auch zu kommunizieren. Eine dieser Grenzen war: Nicht bissig ...

 

Unkooperativ ist nicht lustig

Ich selbst kenne Hunde, die nicht so sicher im Umgang mit fremden Menschen sind und die sich durchaus zu wehren wissen. Da ist es völlig egal ob eher ängstlich oder eher selbstbewusst. Manche Hunde beruhigen sich und kommen an. Man kann dann entsprechend mit ihnen arbeiten. Das geht besonders gut mit unvoreingenommenen Kandidaten, mit denen man noch keine Berührungspunkte hatte.

Wenn man aber erst einmal von dem Hund "gehasst" wird, dann hat man ganz schlechte Karten. Wenn dieser Hund dann vielleicht mal schlechte Erfahrungen bei einem Kollegen gemacht hat, dann wird es noch schlechter. Wenn man dann auch noch unangenehme Arbeiten - wie entfilzen - erledigen soll, dann wird es schnell zu einem Tanz auf dem Vulkan.

Nicht immer hilft tief durchatmen und eine kurze Pause. Manchmal hilft ein Maulkorb oder ein Trichter (Leckschutz*), um sich und seine Hände zu schützen.

Was aber tun, wenn man gar nicht so nah an ein Tier herankommt? 

Ich persönlich breche dann auch Termine ab. Besonders dann, wenn auch mit Beißschutz eine Gefährdung für Mensch und Hund gegeben sind. Ich bin ja ein Vulkantänzer und versuche es dann mit Hilfe der Besitzer durchaus, noch mal. Da sind schon interessante Ringkämpfe entstanden. Der Hund konnte weitestgehend fertig gemacht werden. Aber jeden weiteren Termin habe ich danach dann freundlich abgelegt. Für mich und meine Gesundheit und dem Tier zuliebe. Wenn die Chemie nicht stimmt, dann stimmt sie nicht.

Manchmal kann man eine Gewöhnung erreichen, in dem man sich täglich sieht und nix macht - außer vielleicht ein Leckerchen anzubieten. Aber das funktioniert auch nicht immer. Wenn der Wurm drin ist, dann ist er meistens drin. 

 

Meine Finger sind mir wichtig ...

Ich mache ja nicht nur Fell. Ich sitze am Computer und tippe Ernährungspläne. Habe noch das eine oder andere Projekt. Wenn ich nun gebissen werde, was ein gewisses Berufsrisiko bei den Hundefriseuren ist, dann falle ich unter Umständen sehr lange aus. Wenn es so schlimm ist, dass ich nicht einmal mehr flüssig tippen könnte, hätte ich ein massives Problem. Gut ich bin entsprechend abgesichert, aber so eine Verletzung der Sehne, kann das Aus für vieles bedeuten. Ich mag meine Arbeit auch mit schwierigen Hunden, dennoch will ich mich nicht verletzen. Mal eine Schramme okay. Mal selbst in den Finger geschnitten, kommt vor. Aber mehr muss es nun wirklich nicht sein. 

 

Sauber und gepflegt sind gute Stichworte ...

Ich mag es auch, wenn die Hunde gut vorbereitet sind. Frisch gebadet und gebürstet ist toll. Dann kann ich direkt mit der Arbeit beginnen. Gerade das Baden und Trocknen kostet Zeit. Besonders wenn man, wie ich, eher mobil unterwegs ist. Baden und trocken macht aber auch "Dreck", besonders wenn ich mit dem Blower komme. Die Haare sind dann durchaus überall**. Also dann doch lieber ordentlich vorbereitet und dafür kürzere Termine und weniger Kosten. So können aus gut 2 Stunden dann eben nur 30 Minuten werden.

Verfilztes Fell ist nicht schön. Ich habe mit "Miau & Woof" eine Pflegeserie gefunden, die mir da sehr hilft. Aber ein verfilztes Fell ziept und tut weh. Es ist anstrengend und benötigt Zeit einen Hund zu entfilzen. Für das Werkzeug ist es nicht das beste. Kleiner Stellen gut, kommt vor. Hunde die die Pflege erst lernen müssen und an sensiblen Stellen immer wieder Filzen, ist auch kein Drama. Aber wenn man einen Hund hat, der eigentlich nur noch Filz ist, dann wird es schon "brenzlig". Hier schicke ich durchaus auch schon mal zum Tierarzt und lasse es in Narkose oder Betäubung machen, weil dann die Schur schonender für das Tier ist.

 

Entfernungen

Ich habe einen gewissen Radius, welchen ich als Groomer zu meine Kunden fahren. Manchmal fahre ich auch den einen oder anderen Kilometer weiter, aber eher selten. Es muss ein gewisser Nutzen gewährleistet sein. Ich kann nicht mehr Sprit verfahren, als ich im Grunde verdiene. Es muss sich schon irgendwie rechnen. Ich würde auch keine Kunden annehmen, der aus Hamburg käme, wenn er hier nicht gerade länger im Urlaub ist. 

 

Warum also ein Aufstand?

Wenn ich - als popeliger unbekannter Groomer - das Recht heraus nehmen, Termine nicht anzunehmen oder abzubrechen, warum darf es dann nicht jemand der sich einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeitet hat? Wenn ich gewisse Entfernungen nicht fahren möchte, warum sollte ich Kunden von dort zu mir bestellen? Klar würde es gehen, aber nö müssen muss man gar nichts. Man ist Mensch und man sollte sich nicht zu sehr verbiegen müssen, nur um allen zu gefallen oder es allen Recht zu machen.

Und wenn man mal schief geht, dann ist es halt so. Dann trinkt man einen Kaffee und plant um. Ich werde dann gleich mal den Feyd ein Bad gönnen und das Fell um die Ohren pusten. Die Bilder danach werden lustig werden. Der Feyd war zwar für morgen geplant, aber da werde ich mich dann um den einen oder anderen Ernährungsplan und die eine oder andere Rationsrechnung bemühen. So ist es eben, wenn die Chemie zwischen Dienstleister und Hund nicht passt, die Planung verändert sich. 

 

*Memo an mich: Dringend Trichter in allen Größen besorgen ... 

** Fotos davon später auf Instagram oder als Video auf YouTube.

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