Handaufzucht – ein Luxusproblem?

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Handaufzucht – ein Luxusproblem?

In einer Handarbeitsgruppe auf Facebook wurde ich etwas unfreiwillig in eine Diskussion zum Thema Handaufzucht gezogen. Es gibt um ein Papageienkücken. Die Aufklärung folgte auf dem Fuss: Die Henne hat die Kücken nicht mehr versorgt. Eines war bereits verstorben. Dieses gezeigte Kücken konnte gerettet werden, in dem es weiter mit der Hand aufgezogen wurde. Im Grunde gibt es da nichts zu diskutieren. Aber es gibt diesen einen Menschen ….

Handaufzucht Papagei Quelle: Bild von HeikoAL auf Pixabay

Mohrenkopfpapagei

Handaufzucht ist nicht nur bei Papageien umstritten

Im Grunde hatte diese eine Person recht. Handaufgezogene Papageien können mit dem Alter Probleme entwickeln. Hier kann es auf die Fehlprägung schieben. Es gab Zeiten da war diese Fehlprägung erwünscht. Die Papageien waren von Anfang an sehr zahm und dem Menschen zugewandt.

Mit der Zeit wurde es aber – was auch mit dem Menschen und dem engeren zusammenleben zu tun hatte – immer störender, wenn der Papagei lange und laut schrie. Es war auch so, dass immer mehr Menschen mit den Verhaltensweisen überfordert waren, neben dem Schreien besonders die Aggressionen gegenüber Artgenossen und anderen Menschen. Auch das Federrupfen kann aus einer solchen Aufzucht resultieren, muss aber nicht.

Ähnliche Probleme konnte man auch bei Hunden und Katzen aus einer Handaufzucht beobachten. Sie „ticken“ anders. Es fehlen bestimmte Kompetenzen, welche sie bei Eltern und Geschwistern lernen und die wir als Mensch nicht immer abfangen wollten. Es war ja niedlich, wenn man diese kleinen Fellkugeln so bespaßen konnte.

Bei Wildtieren wurde schon früh darauf geachtet, dass er Kontakt zum Menschen begrenzt wurde. Immerhin sollten diese Handaufzuchten nach Möglichkeiten wieder ausgewildert werden. Bei einigen Tieren ist es nicht möglich, wie bei Wildschweinen. Hier macht es Sinn, möglichst früh eine Gruppe etwa gleichaltriger Schweine zu finden, die dann zusammen aufwachsen können.

Auch bei Füchsen kann es kritisch werden. Sie prägen sich sehr schnell und meist kann man diese nicht mehr freilassen und es wird eine Unterbringung gesucht.

Einfacher geht es bei Wildvögel und Eulen. Sie sind genügsam und alles sich einfacher freilassen. Rabenvögel kommen gern zu ihren „Eltern“ zurück sind aber trotzdem autark und können überleben.

Tieradoptionen? 

Es wurde in meiner Diskussion der Punkt angesprochen, dass man das Kücken ja einem anderen Papagei zur Aufzucht unterjubeln könnte. Immerhin werden für Pferde, Hunde, Katzen und andere Tiere ja auch Ammen gesucht.

Nun hier haben wir einen ganz großen Unterschied, den diese Dame leider nicht gesehen hat. Das eine sind Säugetiere. Die Muttermilch als solches hat nicht nur etwas mit Nahrung zu tun, sondern auch etwas mit Übertragung von Antikörpern und ist darum ein sehr großer Anteil für die Entwicklung. Sie wäre nicht unbedingt nötig, aber Flaschenkinder sind oft anfälliger für Infekte. Im übrigen auch die menschlichen Flaschenkinder. Ebenso liegt hier eine höhere Allergieanfälligkeit zu Grunde. Dies hat etwas mit dem Darmbiom zu tun und weniger mit der Brutpflege als solches.

Bei Papageien ist es anders. Hier geht es um Wärme und ums Füttern. Eine Kückenadoption ist mir sehr viel Glück bei Hühnervögeln möglich. Aber auch nur, wenn man eine Glucke diese Aufgabe übernimmt. Dies ist auch nicht immer gegeben. Hier kann man mit Brutautomat oft die Eier weiter bebrüten. Die Kücken sind oft vom ersten Tag an allein unterwegs. Es wird ihnen nur gezeigt, wie sie scharen oder picken. Dass kann man als Mensch aber auch ganz gut übernehmen.

Du müsstest es doch wissen …

Dies war ein Satz den mir diese besagte Dame gestern öfter um die Ohren gehauen hat. Ja ich weiß dass eine Handaufzucht bei Papageien umstritten und nicht gut ist. Ich weiß, dass es Probleme mit sich bringen kann.

Aber ich weis auch, dass eine Kückenadoption unter Papageien unüblich ist und dass die Kücken zu 99,9% versterben. „Handaufzucht Papageien“ ist also nicht immer nur schlecht, sonder kann leben retten wenn man weiß wie man die Fragen: „Vogel Handaufzucht wie oft füttern“ beantworten kann.

Ich weiß auch, dass kein vernünftiger Züchte einfach so ein Papageienkücken so aufnimmt, um zu versuchen, es einer Henne unterzumogel. Wenn man es tun würde, würde man Gefahr laufen, den ganzen Bestand zu verlieren.

Jeder Vogel der neu in einen Bestand kommt, wird auf verschiedenen Erkrankungen getestet und kommt solange in eine Quarantäne oder zieht erst danach um. Bis aber alle Tests durchgeführt wurden und alle Ergebnisse da sind, vergeht Zeit. In dieser Zeit muss so ein Kücken entweder von Hand gefüttert werden oder es verstirbt.

Wenn ich so eine Diskussion anzetteln, dann sollte ich auch den Kontext betrachten und auch wissen, dass Vögel anders sind. Ich kann nicht von einem Hund, eine Katze, einem Fohlen oder einem Hamster auf alle andere Tiere schließen.

Schade ist, wenn man das Wissen und die Erklärungen der anderen Teilnehmer der Diskussion nicht liest. Dabei hätte man bemerkt, dass ich dem Grundtenor sogar zu stimmen, wenn es um die Prägung auf den Menschen und damit auf ein zahmeren Vogel geht. Allerdings finde ich es richtig. Leben zu erhalten. Zumal dieses eine Foto nur ein minimaler Ausschnitt aus dem gesamten Zusammenleben ist.

Wenn ich in die Zoos und die Arterhaltungsprogramme schaue …
Hier werden die Kücken täglich gewogen und die Brutpflege beobachtet. Wenn die Kücken sich nicht entsprechend entwickeln, geht es in die Handaufzucht Vögel sind da sehr genügsam und oft kann man sie später wieder in einen Schwarm integrieren oder sogar auswildern. Man muss eben nur wissen was man tut.

Eine Kakadu Handaufzucht kann schwierig werden, wenn man einen zahmen Vogel möchte, aber sie können für den Erhalt ihrer Art einen großen Anteil leisten.

Kakadu sind sehr schlau.Quelle: Bild von pen_ash auf Pixabay

Für die Arterhaltung werden auch Rostkappenpapagei Handaufzucht Tiere verwendet

Rostkappe Quelle: Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Alles hat seine Vor- und Nachteile, die man betrachten sollte. bei diesem Thema ist immer der Kontext wichtig. Stirbt das Tier, wenn ich es nicht versorge? Ja! Immerhin halte ich das Tier in Gefangenschaft und sie leben nicht ihrem ursprünglichen Gebiet. Also bin ich auch für die Versorgung verantwortlich.

Vom Sinn und Unsinn in der Papageienhaltung

Viel schlimmer finde ich, dass viele Menschen keine passenden Volieren haben. Oder sie Spiegel in die Käfige hängen. Spielzeuge mit Baumwollfransen oder Baumwollspielzeuge, wo sich mit der Zeit die Fransen lösen.

Aber auch, dass Futtermitteln sich zum Teil gar nicht an die Ursprungsregionen und die Nahrungsbestandteile der wildlebende Artgenossen orientiert. Hier ist noch sehr viel Aufklärung nötig. Besonders wenn man auf Amazon schaut. Wenn Ihr Fragen habt, nehmt gern Kontakt auf.

Mohrenkopfpapagei

Meine Möhrchen sind immer noch da und sie haben eine große Zimmervoliere. Eine neue Außenvoliere steht immer noch auf dem Plan. Auf dem Bild ist einer unser alten Zimmerkäfige zu sehen, dieser waren das Winterquartier, wie wir noch eine Außenvoliere hatten. Zwar gibt es diese Käfige noch, aber sie dienen nur noch dem Ausflug auf die Terrasse und nicht mehr der Haltung. Unsere Zimmervoliere ist fast 3x so groß.

In der Ernährung bekomme sie ein Körnerfutter mit fast ausschließlich Sämereien, welche auch im Senegal – also der Heimat ihrer wildlebenden  Verwandten – zu finden sind. Obst und Gemüse hier und da mal eine Rosine zum Training.

Eine abwechslungsreiche Gestaltung mittels Futterspielzeugen sorgt für zusätzliche Beschäftigung. Immerhin sind die Zwerge auch sehr intelligent und wenn man sie nicht beschäftigt, wird alles geschreddert, was Ihnen vor den Schnabel kommt. Da ich aber auch viel Holz in dem Zimmer habe, weil es mein Hobbyraum und mein Arbeitszimmer ist, wäre es dumm, wenn sie mir den Woolpicker, den Walzenkadierer, das Spinnrad oder ähnliches zerlegen.

Auf der anderen Seite erfreut es mich immer wieder, wenn ich mit diesen kleinen Rabauken kommunizieren kann. Obwohl es nur Paul ist, der quatschen kann und mit mir „Kuckuck“ spielt und seine Handscheue etwas verloren hat. Paula als eine absolute Naturbrut ohne viel Menschenkontakt hat sich bisher noch nicht überwinden können. Immerhin ist sie in der ganzen Zeit, die wir sie inzwischen haben, als sie als Geschenk zu uns kam, etwas entspannter geworden und reagiert nicht mehr ganz so panisch.

Aber ich müsste es ja wissen … Was die Dame in der Diskussion nicht weis. Was ich weiß, ich werde mich wieder verstärkt auch um die Papageinehalter bemühen und hier meine Unterstützung in Form von Beratungen anbieten. Sowohl in der Haltung allgemein, wie auch in der Fütterung. Ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Vorhaltungen und immer im Kontext betrachtet. Es bringt niemanden etwas, wenn man stur auf einer Meinung behaart, die nicht in den Kontext passt, einfach nur weil man auf dieser Meinung behaaren möchte.

Steter Tropfen höhlt den Stein. Das trifft es überall egal bei welchem Haustier. Egal ob in der Haltung, im Training, in der Ernährung, Umgang mit selbigen oder einfach nur weil man etwas wissenschaftlicher an die Geschichten herangeht und alte Zöpfe bzw. Halbwahrheiten einfach abschneiden und wegwischen möchte. Ich bin ein so empathischer Menschen und werde nicht müde immer wieder zu erklären und es noch einmal zu erklären, um mich dann erneut zu wiederholen.

Fragen sind das morgen im Leben. Ohne diese vielen Fragen, die so ein Leben mit sich bringt, wäre die Wissenschaft mit alle ihren Zweigen nicht geboren worden. Wissen ist macht, daran sollten wir immer denken. Genauso, wie: das hinter jedem geschriebenen Wort ein Mensch steht und dass wenn man etwas einmal nicht weiß oder nicht so genau betrachtet hat, es keine Schande ist, dieses zu zu geben. Auch ich weis nicht alles. Aber bei vielem weiß ich, wo es steht und wo ich es nachlesen kann. Manchmal hilft mir Google, manchmal ein andere Experte und manchmal muss ich auch sagen: tut mir leid, da kann ich nicht helfen oder da habe ich mich vertan. 

Es wird dabei niemand verletzt, außer vielleicht das eigenen Ego. Aber das ist oft genau das Problem.

In diesem Sinne: Lasst und die Welt – die ja gerade (im März 2022) aus den Fugen geraten ist – ein bisschen besser machen, in dem wir mehr Verständnis für einander haben und nicht darauf pochen, dass man seine Meinung vertritt und man als Halter von Exoten das ja eigentlich wissen müsste. Lasst und den Kontext betrachten und daraus entscheiden, welche Handlung passend ist und wie man dann seine Meinung formulieren kann, dass sie diesen Kontext mitberücksichtigt.

Lasst uns an die Menschen hinter den Bildschirmen denken. Eine sachliche Diskussion auf Augenhöhe und etwas Respekt hat noch niemanden geschadet, egal bei welchem Thema und welchem Geschehen. Es ist unsere Welt und wir sind nicht nur in der Nachhaltigkeit und im Umweltschutz für sie verantwortlich, sondern auch für die Menschen die auf dieser Leben. Ich glaube die Auswirkungen, welche die Welt gerade erschüttern möchten wir nicht in allen Bereichen unseres Lebens haben.

Die Diskussionskultur war schon immer schwierig, aber in den letzen beiden Jahren ist diese noch einmal schlimmer geworden. Ich kann es sogar nachvollziehen. Seid lieb zu einander.

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