Die Spreu vom Weizen trennen – Wie erkenne ich den richtigen Tierheilpraktiker

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Die Spreu vom Weizen trennen – Wie erkenne ich den richtigen Tierheilpraktiker

Immer wieder lese und höre ich – in verschiedenen Diskussionen – dass man sich an einen Tierheilpraktiker werden soll. Im selben Atemzug kommt häufig die Frage, wer einen guten THP in xyz oder Umgebung kennt.

Auf der anderen Seite wird dann vor Scharlatanen gewarnt. Man solle lieber zum Tierarzt gehen und nicht sein Geld leichtgläubig so einem Bauernfänger in den Rachen werfen.

Nach Meinung einiger kann es auch keine guten THP geben, denn es gibt keinen anerkannte Ausbildung und das Hochschulstudium dauert mehrere Jahre.

Facebook kann da sehr erhellend sein.

TierheilpraktikerQuelle: Bild von Myriams-Fotos auf Pixabay

Der Tierheilpraktiker – Tipp 1

Schaue auf seine Ausbildung zum Tierheilpraktiker.

Fakt ist, es gibt keine einheitliche Ausbildung. Es gibt viele Ausbildungsstätten. Man braucht eigentlich auch gar keine Ausbildung oder Überprüfung, um sich THP zu nennen. Eine Meldung beim Finanzamt (als freier Beruf) oder beim Gewerbeamt reicht völlig aus.

Allerdings gibt es viele Ausbildungsinstitute. Die einen sind mehrjährige Ausbildungen mit Praxiseinheiten. Andere gehen gerade einmal über ein Wochenende. Dazwischen gibt es die zum selbst lernen mit vereinzelten Workshops oder Webinaren.

Aus diesem Grund sollte der erste Blick immer auf die Grundausbildung gehen. Hier sollte ein Institut hinter stehen, welches für die erwachsenen Bildung zertifiziert ist und vielleicht sogar über Möglichkeiten verfügt, die Ausbildung über Bildungsgutscheine zu finanzieren. Dies zeigt zumindest, dass Behörden dort einmal geschaut haben.  Diese Ausbildung sollte wenigstens ein Jahr in der allgemeinen Ausbildung gehen und dann noch einmal wenigstens ein halbes Jahr in einer Spezialisierung.

Meine Ausbildung zum THP dauerte zum Beispiel zwei Jahre.  Es gab in dieser Zeit mehrer Seminare an den Wochenenden. Neben der Aufgaben zu jedem Studienbrief – ja ich habe es während der Arbeit gemacht, gab es eine Hausarbeit mit einem Thema, welches man sich selbst aussuchen konnte und einen schulinterne Abschlussprüfung. Alles wurde zu einer Abschlussnote zusammengefasst.

Manchmal hilft es zu fragen und dann im Internet zu schauen, was alles gelehrt wurde.

Die Fortbildungen – Tipp 2

Mit der Ausbildung allein ist es nicht getan. Diese kann nur den Grundstock legen. Es ist wie bei jeder anderen Ausbildung auch: Man muss sich auf den laufenden halten.

Die Forschung in der Veterinärmedizin steht nicht still. Es gibt immer wieder etwas neues. Sei es neue Behandlungsansätze oder neue Referenzwerte.

Gerade wenn man sich auf einen bestimmten Bereich (zum Beispiel Niere, Leber, Allergien und Unverträglichkeiten oder die Verdauung) spezialisiert, ist es wichtig diesen im Auge zu behalten.

Fort- und Weiterbildungen sind das A und O. Hier dürfen es gern auch verschiedenen Anbieter oder Referenten sein. Aber auch Literatur (besonders Fachbücher) sind eine Art der Fortbildung. Inzwischen kann man sich – mit etwas Glück – für tierärztliche Fachfortbildungen anmelden.

Ich bin ein Autodidakt. Lesen ist mein Hauptmedium. Ich lese viele Arbeite aus der Forschung. Hier besonders gern die Doktorarbeiten oder die zur Erlangung der Professur. Aber auch einfache Studienarbeiten. Dazu schaue ich mir gern Webinare an. Kleinere Onlinekurse sind danach sehr beliebt. Erst am Ende stehen bei mir Präsenzveranstaltungen.

Dazu liebe ich die Gespräche mit Tierärzten und auch mit Kollegen – allerdings nicht mit allen …

Die Grenzen kennen – Tipp 3

Jeder Tierheilpraktiker hat seine Grenzen. Sei es dass es sich um einen medizinischen Notfall handelt, der in eine Klinik oder zu einem Tierarzt gehört oder weil man fachlich einfach nicht so weit ist. Es kann auch sein, dass es einfach nicht zum eigenen Fachgebiet gehört oder man noch nicht so weit ist, einen vielleicht komplexeren Fall zu behandeln.

Es ist keine Schande, zu jemand anderes zu verweisen oder gar zu überweisen. Es zeugt von Stärke und von Verantwortungsbewusstsein.

Als Tierheilpraktiker kann ich keinen Bruch behandeln. Eine Wunde ohne Betäubung zu nähen kratzt am Tierschutzgesetz. Ein geschlossenen Pyometra (Gebärmuttervereiterung) oder Magendrehung ist lebensbedrohlich und gehört mit Voranmeldung sofort weitergeschickt.

Gerade dies ist ein Grund, warum viele Tierärzte nicht gut auf Tierheilpraktiker zusprechen sind. Es gibt Kollegen, die erst einmal probieren und nicht verweisen. Damit verstreicht wertvolle Zeit, die eine Behandlung erschwert oder gar unmöglich macht.

Verweist man aber früh und lässt den Tierarzt auch die diagnostischen Verfahren (Blutbild erstellen, Ultraschall, Röntgen oder ähnliches), hat man oft den Fuss in der Türe und kann sich eine Kooperation aufbauen. Solche Tierheilpraktiker sind Gold wert. Diese werden dann auch – wenn man den Tierarzt fragt, wen er zur Mitbehandlung empfehlen kann – empfohlen.

Die Behandlungsmethoden – Tipp 4

Schaue nach, welche Behandlungsmethoden angeboten werden und wie viele insgesamt.

Ein Merksatz der schon vor 20 Jahren der Wahrheit entsprach trifft heute immer noch zu.

Wer zu viel anbieten verzettelt sich sehr schnell und kann die Fortbildungen nicht leisten. 

Ist der THP gut, wird er nur wenige Behandlungsmethoden anbieten. Ein guter Richtwert ist 3 – 5. Hier können es Phytotherapie, Mykotherapie, Bach Blütentherapie, Schüssler Salze und Homöopathie sein. Bei einem anderen THP ist es vielleicht Akupunktur, Magnetfeld und Homöopathie. Wieder ein andere bietet vielleicht Homöopathie, Phytotherapie und Aromatherapie sowie Farbtherapie (Farblichttherapie) an.

Die Kombinationen sind da schier unendlich. Aber je weniger Therapieformen angeboten werden, desto intensiver kann man sich mit diesen beschäftigen und sich fort- und weiterbilden. Je mehr angeboten wird, desto weniger Zeit bleibt für Fort- und Weiterbildungen übrig. Vieles kann dann nur halbherzig gemacht werden.

Gerade bei der Homöopathie fällt es mir immer wider auf

Ich kenne nur wenige THPs, die wirklich noch die klassische Homöopathie anwenden können. Viele nutzen Komplexmittel oder gehen in die klinische Homöopathie in der Hoffnung, dass es schon passen wird.

Wer kennt ihn nicht den Ausspruch:

Eine Erstverschlimmerung ist gut, zeigt sie doch, dass das passende Mittel gewählt wurde und der Körper arbeitet.

Ja der Körper arbeitet. Aber was wir dort sehen ist schlicht und ergreifend eine Arzneimittelprüfung. Genau so hat Hahnemann früher seine Mittel erarbeitet. Hier war entweder das Mittel, die Potenz oder die Dosierung falsch.

Leider funktioniert Homöopathie nicht nach man nehmen bei Durchfall Nux Vomica oder ähnliches. Man muss sich das Tier sehr genau anschauen. Hier spielen Das Gemüt genauso rein, wie die Vorlieben und die Symptome. Zwar hat man irgendwann ein gutes Wissen der Materia Medica und kann schnell mal schauen, ob es wirklich passt, aber vieles muss man einfach repertorisieren.

Das Repertorium ist ein Buch mit allen Symptomen, Gemütszuständen, Vorlieben und vielen andern Dingen die ein Lebewesen ausmachen. Gerade am Anfang nimmt dieser Vorgang sehr viel Zeit in Anspruch. Das Rezept bekommt man dann später. Man sitzt einfach nicht daneben, wenn die Auswahl getroffen wird. Wenn dann noch die richtige Potenz gewählt wird, reicht unter umständen eine Gabe aus, um die Symptome verschwinden zu lassen.

THPQuelle: Bild von Kai Reschke auf Pixabay

Der Tierheilpraktiker Verband – Tipp 5

Ein guter THP wird sich einem der Tierheilpraktiker Verbände anschließen. Die meisten verlangen eine Prüfung, mit der sie das Wissen auf ein Minimum setzen. Andere verlangen, dass die Ausbildung in selben Verband gemacht wurde.

Im Grunde gibt es viele Tierheilpraktiker Verbände. Die großen sind der Verband deutscher Tierheilpraktiker und der Verband freier Tierheilpraktiker.

Diese Mitgliedschaften setzen häufig auch regelmäßige Fort- und Weiterbildungen voraus, welche auch nachgewiesen werden müssen. Hier werden allerdings dann auch nicht alle anerkannt. So wird dort das eine oder andere gesteuert und die Spreu vom Weizen getrennt.

In der Zusammenfassung

Es gibt viele schwarze Schafe, die nur schlecht ausgebildet sind. Manchen fehlen schon die Grundlagen der Anatomie und der Physiologie. Sie sammeln lieber Therapieformen und Tierarten. Es wird sehr viel angeboten, dass selbst mir manchmal schwindlig wird.

Fort- und Weiterbildungen sind wichtig. Wer aber schon in der Ausbildung schwächelt oder viel anbietet, wird auch an diesem Punkt nicht so weit kommen.

Gut ist, wenn sich auf eine Nische konzentriert wird und diese dann richtig gut beherrscht.

Weniger ist mehr

Wenn nun der THP noch die Fütterung und Fütterungsberatung mit anbietet, wird es eng. Bleibt man bei einem Fachgebiet – zum Beispiel Niere – dann mag eine Ernährungsberatung in dieser Richtung Sinn machen.

Ich habe mich schon recht früh auf die Ernährungsberatung spezialisiert. Da man dieses nie ganz trennen kann, behalte ich die Beratung bei. Allerdings stelle ich keine Diagnosen mehr, sondern überlasse das den Tierärzten. Gern erkläre ich ihnen die Befunde und was man mit diesen Befunden anstellen kann.

„einen guten Tierheilpraktiker finden“ – gern helfe ich Ihnen dabei.

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