Paul und Paula 

 

Um unser kleines Papageienpärchen handelt es sich um Mohrenkopfpapageien. Sie sind ursprünglich in Afrika zu finden. Ihr Hauptansiedlungsgebiet ist der Senegal. Es handelt sich um eine kleinere und recht ruhige Art. 

Leider gibt es bei den Papageien immer noch den Wunsch, ein möglichst zahmes beziehungsweise auf den Menschen geprägtes Tier zu haben. Ich persönlich kann diesen Wunsch nicht nachvollziehen. Für diesen Wunsch werden immer wieder die Eier aus den Gelegen entfernt, mit einem Automaten ausgebrüten und die Kücken mit der Hand aufgezogen. Diese Kücken kennen oft keine Artgenossen. Sie haben kein papageientyisches Verhalten. Dieses rächt sich spätestens dann, wenn man dem Tierschutzgesetz nachkommen und den Papagei verpartnern möchte. 

Paul und Paula sind sogenannte Naturbruten. Sie wurden von den Eltern aufgezogen und nicht wirklich auf den Menschen geprägt. Dieses zeigt sich darin, dass ich für beide nur ein Futtergeber beziehungsweise die Putzfrau bin. Es verlangt sehr viel Geduld, um das Vertrauen aufzubauen. Mit Paul sind inzwischen einige Interaktionen möglich. Allerdings noch lange nicht soviel, wie ich es mir wünschen würde. Paula ist dort deutlich zurückhaltender. 

Zu den beiden bin ich wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Ein Angestellter unserer ehemaligen Nachbarn musste umziehen. Dabei konnte er seine Vögel nicht mitnehmen. Leider fand er auch niemanden, dem er sie anvertrauen wollte und so bekam ich diese praktisch über Nacht geschenkt.Die Begründung war: Ich weiß, dass sie es bei dir gut haben werden. Das sieht man an all deinen Tieren. Natürlich ist das ein Kompliment, aber es war auch eine Herausforderung. 

Ich musste schnell lernen, was die richtige Ernährung ist. Wie ich die Haltung optimieren kann. Kann ich sie auch im Winter in der Außenvoliere lassen? Das Internet war groß und hatte so viele verschiedene Informationen bereit. 

Natürlich wollte ich auch, dass die beiden zahm werden. Ich wollte sie gern auf die Hand nehmen. Die Papageien sahen es dort noch anders. Sie reagierten mit Panik und Flucht. Ich versuchte es erst mit einfach da sein und die Vögel kommen lassen. Die Neugier war zwar da, besonders bei Paul, aber annähern war nicht drin. 

Als nächstes versuchte ich es dann mit dem Clicker. Ich hatte mir inzwischen einige Bücher gekauft, aber diese waren wenig hilfreich. Ich begann zu experimentieren und fand einen Weg. Auf diesem Weg sind wir noch heute. 

Eigentlich wollte ich immer ein Hühnerseminar machen, um meinen Qualitäten im Clickertraining zu verbessern. Doch ich kann sagen, wer mit Papageien trainiert, kann auf diese Seminare verzichten. Papageien verlangen, genauso wie die Hühner, eine hohe Genauigkeit beim Klick selbst, eine sehr hohe Schnelligkeit bei der Gabe der Leckerchen und möglichst wenig Körperbewegung. 

Bis heute bin ich soweit, dass ich Paul mit dem Handrücken am Bauch berühren kann, wenn er sich der Hand nähert. Er kommt zuverlässig und holt sich Leckerreien aus der Hand. Paulchen sucht von sich aus die Nähe und fordert auch schon einmal Übungseinheiten ein. 

Paula ist dort etwas zurückhaltender. Sie versteckt sich eher hinter Paul und beobachtet. Dabei hat sie ihren Komfortabstand um einiges verringert. Fühlt sich die Henne unbeobachtet, so schummelt sie sich an dem Menschen vorbei. 

Die beiden haben mich eines gelehrt: Geduld. Geduld und einen Trainingsplan im Hinterkopf zu haben. Am besten ist es, sich das Trainingsziel irgendwo zu notieren. Danach kann man das Ziel in kleine Schritte zerlegen. Alles andere ist frustirierend. Mit den Papageien habe ich auch gelernt, dass man immer am Ball bleiben muss. Nur einen Tag Pause zu machen, kann einem den Erfolg einer Woche »kaputt machen«. Oft hatte ich das Gefühl wieder bei null beginnen zu müssen. Allerdings geht es dann auch deutlich schneller voran. 

Meine Papageien haben mir gezeigt, wie wichtig das richtige Futter, eine großzügige Unterbringung mit Flugmöglichkeiten und abwechslungsreiche Beschäftigungsmöglichkeiten sind. Sie brachten mir bei auf Luftfeuchtigkeit sowie Temperaturen zu achten. Wie wichtig das richtige Licht ist und das Licht nicht Licht ist, musste ich ebenfalls lernen. Da sind die richtigen Ansprechpartner im Rücken mir sehr wichtig gewesen. Zwar gab es auch entsprechende Literatur, aber diese war dann doch eher oberflächlich. 

Das Wissen, welches ich mir im Zusammenleben und im Training mit Paul und Paula angeeignet habe, ist mir in allen Bereichen des Tiertrainings zu nutzen gewesen. Gerne gebe ich es weiter. Zwar kann ich keine Clickerkurse mit meinen Papageien zur Verbesserung der eigenen Fähigkeiten anbieten, aber dafür gibt es ja die Chickencamps. Ich kann es nur empfehlen, muss aber auch darauf hinweisen, dass es süchtig macht ...

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