Diese Antwort ist so gefährlich wie sie gut ist 

"Ich würde sagen Gott sei Dank weicht der Plan im Buch vom tierärztlichen Plan ab. Das ist ja schliesslich der Punkt des Barfens. Frische Lebensmittel sind i.D.R. erheblich bioverfügbarer und haben eine höhere Biowertigkeit. Daher kann man mit NRC oder AAFCO oder Meyer/Zentek Bedarfswerte nicht bei der Rohfütterung arbeiten. Solche werte sind für Rationen mit ohem Getreideanteil angepasst. Das ist bei BARF nicht nötig.
Nadine Wolf und andere "Laien" haben das verstanden, viele "Experten" leider nicht." 

Zu finden in einer Antwort zu der Rezension auf Amazon

 

Ich konnte mir eine kurze Antwort auf diese Aussage schon bei Amazon nicht verkneifen. Doch spiegelt genau diese Antwort genau das, was dem Tierarzt/THP oder Ernährungsberater täglich vor die Füsse gespült wird. Man muss die Rationen nicht berechnen, weil die Bedarfswerte nur für Fertigfutter gemacht sind. Alternativ dazu, wenn man sich an die Berechnungsformel 80:20 hält, dann passt das schon, schließlich werden frische Lebensmittel besser verwertet und alles andere ist vernachlässigbar. 

 

Bitte nicht auf eine gute Rhetorik herein fallen.

Gut geschrieben ist noch lange nicht richtig. Denn durch gut gewählte Worte kommen genau solche falschen Aussagen zustande. Natürlich kann man sich streiten welche Bedarfswerte man zu Grunde legt, denn je nach Autor und Ursprungsland weichen diese etwas von einander ab. Dies ist im Grund minimal. 

Man kann sich allerdings nicht darüber streiten ob diese Bedarfswerte wichtig sind oder nicht. Denn bei der Frage nach den Bedarfswerten spielt das Fütterungskonzept erst einmal keine Rolle. Es ist völlig egal, nach welchem Modell ich Barfe, ob ich Fertigfuttermittel in Form von Trocken- oder Nassfutter verwende, ob ich für mein Tier koche oder es nach ABAM ernähre und alle Modelle und Futtermittel mische, am Ende muss ich den Bedarf decken. 

Ein Überschuss ist genauso schädlich wie ein Mangel. Deswegen kann man auch nicht sagen, dass man es halt einfach mal mit einem Pülverchen aufwertet. Die Verhältnisse müssen eben stimmen. Dieses ist bei den Fetten, Proteinen, Fasern genauso wichtig wie bei den Mineralien, Spurenelementen oder Vitaminen. 

Es hat nichts mit Dogmatisch oder mit zu übergewissenhaft zu tun, wenn man zu einer Rationsprüfung (also einen Napfcheck) rät. Denn nur so kann man schauen, ob ein Tier wirklich bedarfsdeckend ernährt wird. Das bedeutet auch nicht, dass man eine Feinwaage benötigt, denn mit der Zeit wird man tatsächlich ein Gefühl für seine Rationen und seine Zutaten bekommen und es frei Schnute machen. Besonders wenn man die Rationen abwechslungsreich gestaltet. 

Wer nun sagt, so ein Quatsch, ich wiege mein Essen ja auch nicht ab, ich esse einfach, mag in einer gewissen Weise vielleicht recht haben. Aber sind wir doch mal ehrlich wie viele Menschen achten auf Low Crab oder ihren Kalorienzufuhr? Ja ich tue es auch, aber nicht um abzunehmen, sondern darauf, dass ich mehr Kalorien zu mir nehme, als ich verbrauche. Gut alles rein rechnerisch. Aber ich muss meine Ernährung zum Beispiel im Auge behalten, um mein Gewicht zu halten oder besser sogar zu steigern. Es gibt Phasen da schaue und rechne (bzw lasse meine App rechnen) täglich und dann gib es Phasen da kann ich es lassen. Genauso handhabe ich es bei meinen Tieren. Werden sie zickig und gereizt, rechne ich genauso mal durch was sie über Tag bekommen haben, wie wenn sie anfangen zu moppeln. Es ist für mich immer wieder interessant, meine Fehlerquellen zu finden, wenn die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. 

 

Ist es also nicht nötig bei Barf zu rechnen?

Weil die Bedarfswerte nur für Rationen mit hohem Getreideanteil sind und dieses bei Barf ja nicht der Fall ist? Ob man seine Ration nach den Bedarfswerten berechnet oder berechnen lässt ist wirklich jede selbst überlassen. Aber es ist falsch, dass die Bedarfswerte nur für Rationen mit hohem Getreideanteil gelten und dass dieses bei Barf nicht der Fall ist. 

Wie man beim Barf seine Ration berechnet oder berechnen lässt ist auch jedem selbst überlassen. Man sollte aber dabei beachten, dass bei einer 80:20 und 2% vom Körpergewicht ganz schnell der Bedarf sich in die eine oder andere Richtung verschieben kann. 

Von daher ist es durchaus Ratsam, nicht nur die Ration rein rechnerisch zusammenzustellen, sondern auch einmal auf den Bedarf zu achten. 

Wenn man sich den Plan erstellen lässt und an einen wirklich guten Ernährungs- oder Barfberater geraten ist, wird einen bedarfsgerechten Plan mit entsprechender analytischer Auswertung in einem Diagramm bekommen. Dieses Diagramm zeigt dann auch die entsprechenden Werte der einzelnen durchaus wichtigen Nahrungsbestandteile und ob diese ausgewogen sind oder nicht. Das geht mit und natürlich auch ohne Pülverchen. Auch wenn sich Pülverchen vielleicht nicht immer vermeiden lassen. 

Es ist im Fazit nicht schwer einen Hund gesund zu ernähren. Man muss auch nicht jede einzelne Ration oder jeden einzelnen Tag auf den Bedarf errechnen. Man kann durch aus mit einigen wenigen bedarfsgerechten Rationen eine große Abwechslung schaffen. Wer jetzt auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte sich nicht auf ein Ernährungsmodell versteifen, sondern durchaus mischen. ABAM ist im Grunde zwar auch ein Modell, aber es ist von allem etwas dabei und so kann man bei einer großen Abwechslung durchaus davon ausgehen, dass die Bedarfsdeckung in der Woche der im Monat gegeben ist. Allerdings sind auch nicht alle Fertigfuttermittel bedarfsdeckend, aber dazu komme ich zu einem anderen Zeitpunkt. 

Ich gestehe ich habe das Buch noch nicht gelesen, werde es aber bestimmt noch nachholen. Deswegen habe ich auch nichts über den Inhalt des Buches als solches gesagt.

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