Das Ding mit den Proteinen.

Bei diesem Artikel habe ich lange darüber nachgedacht, wie und in welcher Kategorie ich ihn schreibe. Im Grunde ist es schon fast ein »Pinguin in Haidisco«, weil viele Aussagen nur den Kopf schütteln lassen. Das Schlimme dabei ist, dass geanu diese Aussagen durchaus für wahr angesehen werden, weil Laien dazu gern das Wissen fehlt. Fatal an der Geschichte ist, dass ein Tiergesundheitszentrum dieses so verbreitet, dass Menschen gar nicht darüber nachdenken oder hinterfragen. 

Um was gehts?

In der letzten Woche bin ich in einer Facebook Ernährungsgruppe für Hunde über einen Artikel gestolpert. In diesem ging es darum, dass eine vegane Ernährung möglich und viel gesünder wäre. 

An dieser Stelle wäre dann Pinguin in der Haidisco. Kann man machen, kratzt aber schon etwas an dem Tierschutzgesetz §2 Absatz 1. Seiner Art entsprechend ist der Hund ein Mischfresser, dessen Präferenzen auf tierischer Kost liegt. 

Mir ist es im Grunde erst einmal egal, wie jemand sein Tier ernährt, wenn er weiß, was er tut und dieses auch ehrlich kommuniziert. Denn tatsächlich ist eine vegane Ernährung bei Hunden möglich und nicht unbedingt ungesund. Im Grunde – mit viel Wissen und Erfahrung – wäre es mit Supplementen ebenso bei einer Katze möglich. Persönlich halte ich nichts davon, wenn nicht gerade eine medizinische Indikation für eine solche Ernährungsform spricht. 

Hier kommen wir zu dem Unglaublichen ....


»Tierisches Fett und tierisches Eiweiß fördern Entzündungen und Krebs. Das ist beim Menschen so und das können wir bei unseren Tieren ebenfalls beobachten.«


So ziemlich im selben Atemzug:

»Zugegebermaßen haben viele Tierärzte - und leider auch Menschen-Ärzte - keine Ahnung von Ernährung. Wir haben uns jahrelang mit dieser Thematik beschäftigt und mehr als ein Fachbuch dazu studiert. Wir haben uns unser Wissen nicht angegoogelt und basteln uns keine Halbwahrheiten zusammen, die zu unserer Meinung passen.«

 

Das lasse ich jetzt mal etwas unkommentiert stehen. Dafür werfen wir erst einmal eine Blick auf eine Zusammensetzung der Proteine von 100g Rindfleisch und Linsen. 

Aminosäure Rind Linsen
Isoleucin 1.019 mg 395 mg
Leucin 1.587 mg 632 mg
Lysin 1.707 mg 614 mg
Methionin 490 mg 70 mg
Cystein 215 mg 79 mg
Phenylalanin 803 mg 439 mg
Tyrosin 667 mg 281 mg
Threonin 863 mg 351 mg
Tryptophan 215 mg 79 mg
Valin 1.117 mg 474 mg
Arginin 1.274 mg 691 mg
Histidin 667 mg 211 mg
Essentielle Aminosäuren 10.624 mg 4.316 mg
Alanin 1.215 mg 377 mg
Asparaginsäure 1.862 mg 1.009 mg
Glutaminsäure 3.136 mg 1.448 mg
Glycin 863 mg 360 mg
Prolin 803 mg 368 mg
Serin 705 mg 456 mg
Nichtessentielle Aminosäuren 8.584 mg 4.018 mg
Anteil pflanzliches Eiweiß 0 mg 8.773 mg
Harnsäure 105 mg 75 mg
Purin 35 mg 25 mg

 Quelle: Nährwerterechner

Wen fällt etwas auf? Richtig beide Proteinquellen enthalten die selben Aminosäuren in unterschiedlichen Mengen.

Der Körper kann gar nicht unterscheiden, welche Aminosäure, welchen Ursprung hat. Er freut sich nur, dass sie da sind. Der einzige Unterschied ist, dass die tiereischen Proteine leichter verdaulich sind und die Aminosäuren damit besser bereitgestellt werden könne. Aber auch die pflanzlichen Proteine werden aufgespalten und die Aminosäuren verbraucht. 

Die Argumentation, dass ein Hund eine Hyperammonämie hat und aus dem Grund keine tiereischen Proteine vertrage und sterben würde, finden ich fatal. Eine genetische Störung im Harnstoffzyklus - der Hyperammonämie – hat zur Folge, das Proteine, egal welcher Herkunft, problematisch sind. 

Bei dieser Erkrankung vergiftet der Körper, da das Ammoniak als Umbauprodukt nicht ausgeschieden werden kann. Ein erster Therapieschritt wäre die Eiweißzufuhr komplett zu stoppen, damit weniger Stickstoff in den Stoffwechsel gelangt. Meist wird Infudiert, um den Körper zu entlasten. Langfristig muss die Eiweißzufuhr generell angepasst und Medikamente verabreicht werden. 

An dieser Stelle kann man tatsächlich auf eine vegetarische oder gar vegane Ernährung umstellen. Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten – siehe oben - durchaus weniger Proteine. Dennoch muss man nicht unbedingt auf tierische Proteine verzichten. Es kommt eben auf die Zusammensetzung der Ration an. 

 

Im Fazit müssen wir uns nicht darüber streiten, dass eine generelle Überversorgung mit Proteinen – egal welcher Quelle – nicht unbedingt gesund ist. Besonders dann nicht, wenn Kohlenhydrate und Fette nicht im richtigen Verhältnis zum Protein stehen. In diesem Zusammenhang können dann tatsächlich Entzündungen verschiedener Organe entstehen. Ob dieser Zusammenhang ebenso für die Entstehung von Tumoren verantwortlich ist, kann ich nicht sagen. Für mich sind Tumorerkrankungen immer im Rahmen der Multikaktoren zu suchen. Die Ernährung kann dort ein Teil sein. Obwohl ich da wohl eher Kohlenhydrate in Verdacht hätte. 

Stellt sich mir zum Abschluss die Frage: Werden mit Absicht falsche Informationen gestreut oder war es nur der einfachheitshalber so oberflächlich argumentiert und erklärt?

weitere Quellen:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hyperammonämie
https://viamedici.thieme.de/lernmodule/biochemie/harnstoffzyklus+der+weg+des+stickstoffs
https://www.facebook.com/tiergesundheitszentrum.regensburg/posts/215848652187833

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