Diagnosen eines Tierarztes in Frage stellen?

Ich persönlich bevorzuge Tierhalter, die bereits eine Diagnose vom Tierarzt mitbringen und um weitere Informationen bitten. Dazu möchte ich möglichst viel vor dem Termin wissen. In diesem Zusammenhang lasse ich Fragebögen ausfüllen. Es beginnt, mit der Haltung und der Herkunft, über vorherige Erkrankungen und aktuelle Symptome, Ernährung und auch Trainingsmethoden werden abgefragt. Das mag sich viel anhören. Aber desto mehr ich weiß, desto besser kann ich mich auf einen Termin vorbereiten. 

Entsprechend kann ich nicht nachvollziehen, wie man nichts im Vorfeld wissen möchte, um nicht beeinflusst zu werden. Schlimmer wird es, wenn dann während des Termins eine Anamnese gemacht wird und die Diagnose die von einem Tierarzt in Frage stellt. Diese sogar anzweifelt und in diesem Zusammenhang anrät eine Therapie sofort und ohne wenn und aber abzubrechen.

Ja der Tierarzt schaut oft nur auf das einzelne Symptom

Doch eine Therapie wird einen gewissen Sinn und Zweck verfolgen. Gehen wir bei einer Krebstherapie von einer Chemotherapie aus. Diese ist bei Mensch und Tier nicht ganz ohne Nebenwirkungen und ob sie von Erfolg gekrönt ist, wird einem niemand sagen können. Einem Tierhalter dann aber zu sagen, diese Therapie abzubrechen und das Tier mit alternativen zu behandeln, finde ich bescheiden. Besser wäre es doch, dem Tierhalter eine begleitende Therapie anzubieten, welche zum Beispiel die Nebenwirkungen mildert und die Chemo selber nicht stört. Damit kann jeder Tierarzt leben und ist dann deutlich eher zu einem Gespräch bereit. 

Ähnlich sieht es bei vielen andere Erkrankungen auch aus, wo eine schnellen Reaktion nötig ist, damit ein Tier nicht noch mehr leidet und dem Körper erst einmal geholfen wird. Aber bei jeder Therapie und bei jeder Diagnose gibt es Möglichkeiten unterstützend mit zu behandeln. Nicht selten kann man den Körper harmonisieren, in diesem Zusammenhang kann man mit dem Tierarzt gemeinsam schauen, ob die Medikamente reduziert oder gar ausgeschlichen werden können. Nehmen wir hier das Beispiel Allergie. Allergie ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom. Wenn aber ein Tier so sehr auf etwas reagiert, dass es sich blutig kratzt, sollte man diesen Juckreiz so schnell wie möglich unter Kontrolle bekommen. Da hat der Tierarzt nun einmal die besseren Methoden. Danach kann man schauen, was im Stoffwechsel schief läuft und wo man ansetzen kann. Ob es nun eine Desensibilisierung oder eine Ernährungsumstellung sein muss oder etwas ganz anderes. 

Ernährungsberatungen Segen oder Graus

Manchmal habe ich das Gefühl, dass genau hier das meiste Geld verdient wird. Wenn man aber mal genauer schaut, hat man entweder Futtermittelvertreter im MLM (AniFit, Reico, Aras und Co) oder sie haben eine Ausbildung nach einem System gemacht, von dem sie nicht abweichen können. Wirklich unabhängig ist dort niemand und immer wieder hör man Barf (was viele Hundehalter gar nicht möchten) oder Ausschlussdiät. Beides mag zwar gut sein, aber ist nicht immer die Lösung. Schlimm finde ich es, wenn der Tierhalter sagt, wir haben schon gebarft oder eine Ausschlussdiät gemacht und dann darauf bestanden wird. 

Interessant wird es, wenn ich dann frage, warum man der Empfehlung nicht folgen wollten und die Antwort erhalten: Irgendwie passen da die Werte nicht. Alternativ auch der Hund hat abgenommen, gefressen wie ein Scheunendrescher, mehr getrunken, mehr gekratzt oder auch vieles anderes. Nein natürlich ist der Therapeut oder Berater nicht auf die Dinge eingegangen oder hat es irgendwie sehr skurril begründet. 

Schlimm finde ich es, wenn man dem Tierhaltern dann erzählt wird, dass der Hund ein Fleischfresser sei und der Hauptbestandteil der Nahrung Fleisch sein sollte. Das man bei Fertigfuttermitteln darauf achten sollte, dass Fleisch an erster Stelle stehen müsse und am besten in einer offenen Deklaration. Es ist durch aus gut auf die Deklaration zu achten, aber noch wichtiger sind die analytischen Daten. Denn diese Daten verraten uns, ob der Bedarf des einzelnen Tieres zumindest rechnerisch gedeckt wird. Eine genaue Deckung kann man so nicht garantieren, dafür bräuchte es gezielte Untersuchungen. Aber man kann davon ausgehen, dass es im groben schon passt. Dies muss man natürlich auch entsprechend kommunizieren. 

Kommunikation

Dies ist glaube ich das schwerste in der ganzen Arbeit. Das bemerke ich immer wieder. Man muss die Klienten da abholen wo sie stehen. Man muss heraus hören, wo der Schuh wirklich drückt, Mitgefühl zeigen und gleichzeitig vorsichtig die Richtung vorgeben. Geht man zu forsch vor, dann verliert man. Geht man zu langsam, dann verliert man auch.

Wenn man zu arrogant erscheint verliert man noch schneller. Kein Klient mag bevormundet werden. Niemand möchte durch die Blume hören, dass er - oder die Menschen denen er bisher vertraut hat, keine Ahnung haben und dass man als einziges versiert genug ist und genau weiß was das bester für das Tier ist. Nein kein Mensch möchte Vorwürfe gemacht bekommen und sich aus dem Grund schlecht fühlen oder gar gezwungen sehen, etwas machen zu lassen, was ihm eigentlich wieder sterbt. 

Der Tierhalter ist ein eigenständiger Mensch und hat seine Vorstellungen, Gedanken, Wünsche und was auch immer. Wenn sich der Tierhalter in der Situation nicht wohl fühlt oder sicher aufgehoben, wie soll dieser dann seinem Tier helfen? Der Weg zu Tier geht nur über den Tierhaltern. Natürlich sollten man sie nicht in Watte packen, aber dennoch wie ein rohes Ei behandeln. 

Im Fazit habe ich immer wieder festgestellt, dass ein Verbandszugehörigkeit kein Garant für eine gute Arbeit ist. So sehr ein Verband zu empfehlen ist, stellt man aber immer wieder fest, dass diesem auch Menschen angehören, welche eigentlich noch nicht auf die Menschen und die Tiere losgelassen gehören. Es ist immer wieder schwierig und gern wird über das eigentliche Ziel hinaus geschossen. Was manchmal in den geschlossenen Gruppen abgeht, spare ich mir an dieser Stelle. Doch ich kann inzwischen verstehen, warum immer mehr Tierärzte fordern, dass der Tierheilpraktiker in seiner jetzigen Form verboten gehört und nur noch als eine Zusatzausbildung für Tierärzte und vielleicht noch wir Tiermedizinische Fachangestellte vorbehalten sein soll. Aber es wäre ein ziemlicher Mist, wenn es irgendwann mal dazu kommen sollte. Das daraus entstehende Chaos haben wir bei der Zertifizierung der Hundetrainer ja schon erlebt. 

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