Warum soll man jemanden Vertrauen?

Ich frage mich jeden Tag – besonders, wenn ich einmal die Zeit finde, in den Facebookgruppen zu lesen – wem ein Tierhalter vertrauen darf. Man rät zu einem Besuch bei Tierarzt oder Tierheilpraktier, dann haben diese keine Ahnung von dem was sie machen sollen. Rät man zu einem Ernährungsbrater, dann kommt so ein Querschläger und stellt Halbwissen in den Raum, dass sich mir die Fußnägel hochdrehen. Rät man zu einem Trainer, kommen einhundert Stimmen und sprechen dagehen. Gut ich rate eigentlich immer zu einer durchlaufenden Kombi aus Tierarzt, THP, EB und Trainer, welche dann hoffentlich zusammenarbeiten. 

Wer wem sein Vertrauen schenkt ...

Wenn ich so in den Gruppen lese, frage ich mich jeden Tag: Warum sollte mir jemand vertrauen? 

Spricht man in der Gruppe von einem Blutbild und entsprechender Befundung, wird behauptet, dass es nicht geht.

Spricht man von prozentualer Auswertung mit Diagrammen, ist es Geldschneiderei. 

Erwähnt man dass Phosphor eher in Innereien als in Knochen zu finden ist, hat man keine Ahnung. 

 

Fragen über Fragen

Hier stellt sich mir die Frage, welche Ausbildungen und Fortbildungen ich noch machen muss, damit ich Ahnung habe. Wie viele Lebensmittel ich vergleichen soll, das ich sagen kann, was, von wem, der bessere Lieferant ist. Was muss erklärt werden, damit begriffen wird, dass alles in einem Zusammenhang steht und es nicht getan ist, einfach etwas wegzulassen. 

Ernährung

Wie soll ich meine Klienten erklären, dass ich entsprechende Untersuchungen brauche, um vernünftig arbeiten zu können. Selbstverständlich beginne ich mit einem Blutbild als ersten Anhaltspunkt. Danach kann ich weiterentscheiden, welche Untersuchungen Sinn machen oder eben nicht. In einen geriatirschen Profil sind bereits einige Mineralien enthalten. Wenn diese total schief sind, muss ich nicht unbedingt eine Fellmineralanalyse in Auftrag und Mängel zu finden. Da reicht es mir, direkt die momentane Fütterung anzuschauen. 

Für mich ist es vollkommen klar, dass ich mir da nicht nur die Lebensmittel anschaue, sondern auch, wie diese sich in der Nährstoffversorgung durchschnittlich auswirken. Ich kann mich nur auf rechnerische Durchschnittswerte beziehen, da die Lebensmittel nie identisch sind. Ebenso ist jedes Tier individuell und man muss es entsprechend anpassen. Dennoch habe ich so einen Überblick und kann es dem Klienten so erklären, dass er es versteht und nachvollziehen könnte. 

Eine Beratung umfasst doch immer mehr als nur einen Plan zu erstellen und dann die Hand aufzuhalten. 

Groomer

Ähnlich ist es doch in anderen Bereichen ebenso. Ich sage einem Klienten nicht, dass ich seinen Hund nicht scheren oder baden will. Sondern ich versuche zu erklären, warum und welche Vorarbeiten oder Alternativen es gibt. Selbstverständlich wäre es leichter, den Kundenwunsch einfach zu erfüllen. Es kommt durchaus vor, dass er sich dann jemanden sucht, der es macht oder erledigt diese Arbeit eben selber. Versteht der Hundehalter aber das Warum, dann wird es für den Hund durchaus angenehmer. 

THP

Als THP mag ich auch die Klienten, die sich bei mir eine weitere Meinung einholen möchten oder eine Mitbetreuung zum Tierarzt wünschen. Nicht, weil ich keine Diagnosen stellen könnte, sondern einfach, weil der Tierarzt diagnostisch die besseren Möglichkeiten hat. Wenn mir ein Tier mit Lahmheit vorgestellt wird, schicke ich es eh zum Röntgen. Wenn ein Tier sich ständig erbricht, blutige Durchfälle hat oder Ähnliches, schicke ich diese zum Tierarzt, um eine Vergiftung oder einen Fremdkörper ausschließen zu lassen. 

 

Wem soll man denn nun Vertrauen

Wem soll man vertrauen? Wer hat Ahnung und Erfahrung. Wer hat den richtigen Blickwinkel. Ist es besser jemanden aus einer FB Gruppe zu vertrauen oder sollte man lieber vor Ort nach einem Ansprechpartner suchen? Wer übernimmt am Ende die Verantwortung? 

Um ehrlich zu sein, mich amüsieren immer wieder Menschen in den Gruppen, die eine Halbwahrheit in den Raum stellen und diese verteidigen – gegen jegliche Vernunft. Genauso die sich auf ihre Ausbildung berufen, widersprüchliche Aussagen verbreiten und keinem der Leser fällt es auf. Aber es macht mir Angst, wenn ich daran denke, dass zu diesen Therapeuten hilfesuchende Menschen kommen und für eine Leistung bezahlen. In dem Zusammenhang hoffe ich immer, dass die Aussagen im Netz nur ein Ausrutscher sind oder die Formulierungen auf den Seiten schlecht gewählt. 

Ich versuche, dann doch weiterhin, mich an einem höheren Maßstab zu messen und immer wieder zu lernen. Jeder Dozent bringt mir neues Wissen, neue Erkenntnisse und frischt meine vorhandene Basis wieder auf. 

Leider kann ich die Frage, wem soll man vertrauen nicht beantworten. Kann aber nur sagen, Facebook und verschiedenen Foren, sind dort nicht der passende Ratbeger, wenn es um Diagnostik und Therapieentwicklung geht. Als Austausch in Bezug auf eine Erkrankung durchaus schon. 

Ich hoffe, dass mir meine Klienten vertrauen und von den vorhandenen Wissen profitieren. Bisher scheint es so zu sein, denn viele kamen wieder und begleiten mich dann doch schon länger und über die Therapie hinaus. 

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