Wie werden die Hunde zu diesen Zappeln?

Häufig ist es so, dass sie entweder auf einen anderen Lebensraum geprägt sind und viele Dinge die für uns Menschen wichtig sind, für diese nicht waren. Diese trifft häufig bei Straßenhunden, die wild geboren wurden, zu. Dann gibt es die, die isoliert in einem Schuppen oder Keller ohne jegliche Reize jeglicher Art aufgezogen wurden. 

Während die einen nur auf einen geringen Teil ihrer Umwelt reagieren, reagieren die anderen auf alles. Meist ist es noch nicht einmal eine wirkliche Angst vor dem Fremden, sondern eher nur eine Unsicherheit, der dann eine Überforderung folgt. Dies ist Stress und Stress ist ein hormoneller Vorgang, wie er ebenso bei Angstreakionen zu finden ist. Aus einer Unsicherheit kann sich eine Angst bis hin zur Panik wachsen, wenn man auf diese Situationen nicht sensibel genug eingeht. 

Vorweg sei gesagt, dass diese Hunde einen sehr hohen Ruhebedarf haben. Wenn »normale« Hunde 18 – 20 Stunden am Tag schlafen und Ruhen, liegt dieses Bedürfnis bei zappeligen, unsicheren oder ängstlichen Hunden bei 20 – 22 Stunden am Tag. Dies allein liegt darin begründet, dass der Körper seinen Hormoncoktail entsprechend neutralisieren muss. Kann der Körper dieses nicht, wird es sich das Verhalten solange aufbauen, bis der Hund nur noch erschöpft ist. Bei einem Menschen hätte dieser Zustand Depressionen und Burn Out zur Folge. Ähnliche Phänomene wurden auch schon bei Hunden beobachtet. 

Was kann ich tun?

Was tut man also, wenn man einen Zappelphillip im Haus hat? 

Ich rate immer zu einem Blutbild. Ich persönlich bevorzuge das geriatrische Profil. Dieses gibt einen schönen Überblick über die Chemie und die Organe. Selbst wenn alle Werte in der Referenz sind, hat man eine Tendenz und weiß, wo ich ansetzen kann. Sind hier Veränderungen direkt erkennbar, so kann der Tierarzt oder ein gute THP dort entsprechende Maßnahmen ergreifen oder eine weitere Diagnostik anstreben. Bei einem Großteil dieser Hunde sind die Werte der Schilddrüse niedrig. Das ist erst einmal »normal«, denn bei Dauerstress reagiert die Schilddrüse. Im Zweifel kann man hier das komplette Profil machen, wenn die Werte sehr auffällig sind. 

An zweiter Stelle rate ich immer zu einer Ernährungsberatung. Einen Napfcheck, um den Istwert zu ermitteln. Hier habe ich schon sehr oft festgestellt, dass die Hunde einfach nur Hunger haben, weil der Energiegehalt nicht dem Bedarf entspricht. Wenn man sich hier dann noch die Werte von Mineralien und Vitaminen genau anschaut, kann es sein, dass man hier schon einen weiteren Auslöser gefunden hat. Im Zweifel sollte hier eine Fellmineralanalyse gemacht werden, um zu schauen, wie ausgeprägt eine Mangelversorgung bereits ist. Diese besonders dann, wenn die Werte im geriatrischen Profil – welche dort mit ausgewertet werden – nicht schon eine Verschiebung anzeigen. Hier kann man mit einer Änderung der Fütterung und den entsprechenden Zutaten schon sehr viel erreichen. Bei gravierenden Mängeln sollte im Zweifel diese mit Nahrungsergänzungen entsprechend ausgleichen. 

An dritter Stelle kommt das Entscheidendste: Entspannung. Entspannung im ganzen Tagesablauf ist das A und O. Viele Menschen neigen zu der Annahme, dass ein Zappelhund nicht genügend ausgelastet ist und machen dann immer mehr. Ja ich bin vor vielen Jahre auch mit meine Bordermix in diese Falle getappt Diese Hunde brauchen aber nicht mehr, sondern weniger. Sie sind überfordert und noch mehr Tagsaufgaben überfordern noch mehr, das individuelle Ruhebedürfnis kommt zu kurz. Ich selbst weiß wie schwer es ist, einen Hund »auf null zu ziehen«. Ich habe konsequent nichts mit dem Hund gemacht, außer etwas Gassi gehen. Eine Woche hat uns dieser Hund in den Wahnsinn getreiben, dann hat er einen Monte fast nur geschlafen und danach forderte er wieder Abwechslung. Heute ist unsere Tagesaufgabe mit den Hunden Gassi gehen und nur bei schlechtem Wetter mache ich dann noch seperate Aufgaben. Die gezielte Aktivität am Tag beträgt max. 2 Stunden Gassi über den Tag verteile. Vielleicht einmal die Woche eine größere Wanderung. Auf den Gassigängen dürfen die Hunde schnüffeln wie sie lustig sind und es werden einige weniger Übungen eingestreut. Zu Hause ist es maximal noch, dass wir für die Pflegeaufgaben üben und bei schlechtem Wetter halt Gerunchsunterscheidung und etwas Tricksen. Mehr nicht. Wenn ein Tag mal etwas aufregender war, gibt es mindestens 2 bis 3 Tage Pause hinter her. 

Medikamente, Nahrungsergänzungen und Co

Viele Menschen möchte gern eine schnelle Lösung, ohne dass sich der eigene Tagesablauf groß ändert oder dass es mal unbequem oder anstrengend wird. Ich kann das durchaus nachvollziehen. Aber im Grunde gibt es nichts, was so wirkt, dass der Hund plötzlich ruhig und entspannt ist, außer den Hund zu sedieren oder bis in die absolute Erschöpfung zutreiben. 

Ich mag in der zwischen Zeit die Vitalpilze sehr gerne für diese Kandidaten, aber auch diese benötigen eine Änderung der Ernährung und der Haltungs- und Beschäftigungsbedinugnen. Es hat sich da eine Mischung aus 3 Pilzen sehr hervorgetan, die ich inzwischen sehr gern einsetze, aber es sollte immer geschaut werden, ob nicht was in der Gesundheit nicht stimmt. Ich kann nicht eine Mischung geben, die sich auf das Nervensystem auswirkt, wenn die Niere, die Leber oder vielleicht Schmerzen die Ursache sind oder die Ernährung nicht passt. Immer wieder höre ich, dass man die Ernährung nicht supplementieren muss, weil die Pilze das machen. Das stimmt so leider nicht, man kann keine Defizite in der Ernährung alleine durch Pilze ausgleichen. Dazu sind die Mengen viel zu gering. 

Bach Blüten und Buschblüten sind toll, aber auch hier muss man sehr individuell schauen und darf die Veränderungen in Ernährung, Haltung und Training nicht vergessen. Die Blüten alleine können keine Veränderung bewirkten. 

Nahrungsergänzungsmittel heißen so, weil sie die Ernährung ergänzen sollen. Gegen einen vorübergehenden kurmäßigen Einsatz von etwa 14 Tagen ist nichts zu sagen. Bei einem dauerhaften Einsatz macht es schon Sinn, diese in die Ernährung einzuberechen und die Ernährung entsprechend anzupassen. 

Dann hat der Tierarzt noch einige Mittelchen in der Hand, die meist verschreibungspflichtig sind und auch von den Tierärtzen nicht gern verordnet werden. Wenn allerdings der TA ein solches Mittel als Therapiebegleitung vorschlägt, dann sollte man dieses auch annehmen. 

Es gibt noch vieles mehr, so bietet sich zum Beispiel auch der Rahmen der Schüssler Salze, die Homöopathie, Aromatherapie, Farblichttherapie und die Bioresonanz an, um nur einige zu nennen. Es sollte immer auf das Tier abgestimmt sein, aber alle Wege brauchen eine Änderung hin zu einem entspannten Tagesablauf. Ohne die nötige Entspannung und Ruhe wird es keine Änderungen bei den Zappelphillps geben. 

Ein Wort noch zur Bioresonanz: Es kann eine Diagnostik unterstützen, es kann harmonisieren und bei der Genesung helfen. Aber es sollte auf keinen Fall die alleinige Diagnostik sein. Gerade in den sogenannten erebten Toxinvergiftungen oder Futtermittelunverträglichkeiten wäre ich persönlich sehr vorsichtig, hier gibt es oft Fehler und es ist nicht immer eindeutig. Stutzig sollte man werden, wenn das Tier ererbte Futtermittelunverträglichkeiten hat, aber diese Futtermittel bisher ohne sonderliche Probleme vertragen hat. Ich mag die Bioresonanz, aber manchmal nimmt es wirklich krude Ausmaße an, was dort erzählt wird. 

Im Fazit ...

... stellen wir fest, dass bei Zappelhunden nur eines wichtig ist: Sie brauchen Entspannung und möglichst wenig Anreize, damit sich der Körper erste einmal auf ein brauchbares Hormonniveau einpendeln kann. Entspannung kann man beeinflussen. Hier gibt es Massagen, Aromen, Musik beziehungsweise Geräusche oder auch Licht, welche man sogar alle noch mit dem Zustand der Entspannung verknüpfen und damit konditionieren kann. Hier wäre das Stichwort konditionierte Entspannung. Zum anderen muss der Tagesablauf angepasst werden, dass Ruhe sozusagen ein roter Faden in dem Ganzen ist. Wenig Aufregung und Bewegung, dafür viel Ruhe und Schlaf und einige wenige Übungen auf den kurzen Gassigängen oder im Haus. Die Ernährung sollte überprüft und entsprechend angepasst werden und ein gründlicher Gesundheitscheck mit einem geriatrischen Blutbild sollte in die Überlegung mit einbezogen werden. 

Hier sollte man also immer daran denken, dass Tierarzt, Hundetrainer, THP und Ernährungsberater eine Einheit bilden. Sie gehören zusammen. Man sollte sie nicht trennen. Schlimm wird es, wenn diese nur über den Tierhalter kommunizieren. Besser wäre es immer, wenn diese miteinander reden und ihre Therapien absprechen und auf einander abstimmen. Nichts ist schlimmer als im eigenen Strudel der Überforderung mit seinem Tier zu stecken und den Weg nicht rauszufinden, wenn dann jeder etwas andres erzählt und ohne Rücksprachen die Therapie oder Therapievorschläge des anderen torpediert. 
Ich selbst finde es nicht schlimm, mit Kollegen aller Art zu kommunizieren und finde diesen Punkt sogar wichtig. Immerhin kann ich nicht alles machen, ich kann keinen Tierarzt ersetzen und ich möchte auch nicht in das Training eines anderen Trainers reingrätschen, auch wenn ich durchaus bedenken zu dem Trainingsweg äußern werden, wenn ich denke, dass es ein Teil des Problems ist.  

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