Die Angst vor der Konditionierung 

 Ich habe drei Zitate ausgewählt, die ich in dem Zusammenhang mit dem Thema »Lernen« spannend fand und finde.

 

1. Das Seminar und das Gehirn …

„Ich bin einmal auf einem Seminar gewesen und dort hat man uns das Gehirn eines Hundes erklärt: Es ist wie ein großes Schloß mit vielen Zimmern. In jedem Zimmer liegt ein Teil von uns. Sind wir inkonsequent, hat der Hund ein Zimmer erobert und das Teil, was wir dort hatten, rausgeworfen.“

Ich stelle mir bildlich einen Teenager vor, dessen Gehirn ein Schloss ist …

Im Ernst: Das kann ein Referent nicht ernsthaft meinen. Im Grunde wollte und will ich nicht wissen, wer solche Dinge lehrt. Zugegeben habe ich einen vagen Verdacht, wer es war, beziehungsweise aus welcher Richtung es kommt. 

Diese Theorie absoluter Quatsch. Ja, Konsequenzen sind für das Lernen wichtig. Tiere - alle Tiere - lernen durch Erfahrungen. Wenn auf einen Reiz immer die selbe Konsequenz erfolgt, wird dieses miteinander verknüpft. Es wird in das Gedächtnis abgelegt. 

Wir Menschen sind auch nur Tiere und lernen genauso. Als Kind sagte man uns hundertmal, dass die Herdplatte heiß ist. Wir haben trotzdem kein Verständnis von heiß. Es gibt keine Verknüpfung mit dem Wort. Bis genau zu dem Augenblick, in dem wir auf die heiße Herdplatte fassen und uns verbrennen. 

Bei Hunde ist es ähnlich. Sie sehe den Postboten und verbellen ebendiesen. Sie wissen nicht, dass er sowieso weiter gehen würde. Hunde haben so ein Erfolgserlebnis. Bringt der Postbote Leckerchen mit, gibt dem bellenden Hund einen Keks, geht dann weiter und wiederholt dies einige Male, wird der Hund den Postboten eher weniger verbellen, sondern auf seinen Keks warten. 

Die Argumentation war ähnlich und es kam Punkt zwei.

 

2. Der Eingriff in das Gehirn

“Aber dann gehen wir hin und konditionieren den Hund?  Wir greifen ständig in sein Gehirn ein.

Das ist dann keine freie Entscheidung des Tieres?  Oder würde der Hund sagen bitte manipulier mein Gehirn.“

Ehrlich gesagt musste ich an dieser Stelle erst einmal herzhaft lachen. Ich hatte schon viel gehört und gelesen, aber dass war mal eine spannende Aussage. 

In das Gehirn bewusst eingreifen kann eigentlich nur der Hirnchirurg, zum Beispiel um Tumore zu entfernen. Der allgemeine Tierarzt oder Tierheilpraktiker können es mit Medikamenten ebenfalls gut, um die Hirnchemie zu beeinflussen. Dies ist bei bestimmten Erkrankungen sinnvoll sein.

Ich vermag es beim Training nicht. Ich bekomme nur das zurück, was ich meinem Hund beibringe. Warum? Konditionieren ist nichts anderes als Lernen. Es ist nur ein anderer, eher wissenschaftlicher Begriff. Das gesamte Leben werden wir konditioniert, zum Teil unbewusst, nach der klassischen Konditionierung, und zum Teil bewusst, mittels der operanten Konditionierung

Darauf folgte dann Nummer drei

 

3. Konditionierung ist Dressur und kein Lernen

“Konditionieren ist im Grunde eine Dressur.

Der Hund lernt auf ein bestimmtes Geräusch/etc. ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. 

Wir gehen weiter und clickern und beeinflussen somit seine Reaktion. Wir clickern Blicke etc. und konditionieren den Hund somit Stück für Stück dahin wohin wir wollen. 

Ich habe ein Problem damit ständig ins Gehirn meines Hundes einzugreifen. Wie soll er denn selbstständig lernen, wenn ich seine Reaktion durch clickern beeinflussen?  

Ich finde es eher erschreckend wenn du denkst, dass nur so ein lernen stattfindet. Ich hab noch keine Hunde untereinander getroffen die sich clickern. 

Und ich will, dass mein Hund lernt, weil er begreift und nicht weil ich sein Gehirn konditioniert habe.“

An erster Stelle sei gesagt, dass dort jemand die Arbeit mit Markensignalen nicht verstanden hat. Der Hund lernt nicht auf ein bestimmtes Geräusch oder Signal ein Verhalten zu zeigen, sondern er lernt, dass nach diesem eine Belohnung erfolgt. 

Falsch mit diesem Hilfsmitteln gearbeitet, könnte man seine Reaktion beeinflussen und in Notsituationen kann es gut als Abbruch einer Handlung genutzt werden. Im Grunde ist das auch nur eine Konditionierung, genauso wie es Konditionierung ist, wenn wir es richtig anwenden. 

Der Hund zeigt ein Verhalten, dem Verhalten wird der Marker hinzugefügt, der etwas positives ankündigt. Das Verhalten wird damit verstärkt. Der Hund lernt also, wenn ich Verhalten A zeige, folgt Konsequenz B. Entsprechen lernt der Hund sehr selbstständig, eine gewünschte Alternative zu zeigen oder auszuführen. Mit der Zeit wird der Hund das so generalisiert haben, dass er es von allein zeigen wird. 

Da nun der Autor des Zitates ein Problem mit der Konditionierung hat, beziehungsweise nicht in das Gehirn des Hundes eingreifen möchte, stellt sich mir die Frage: Wie soll der Hund lernen? Möchte der Halter wirklich, dass sein Hund „dumm bleibt“. Davon abgesehen, dass es nicht geht und ein Tier immer lernt, sogar im Schlaf. 

Bei operanten Konditionierung gibt es vier Quadranten. Diese stehen sich gegenüber. Sie sind von einander abhängig und beeinflussen sich. Damit lassen sich die Quadranten nicht sauber trennen. Aus diesem Grund gibt es mehr als nur einen Weg des Lernens. Ich bevorzuge dort in der Hauptsache den der positiven Verstärkung und der negativen Strafe. Negative Verstärkung und positive Strafe ist mir zu anstrengend. Zu dem ist es für mich oder mein Tier nicht wirklich nett. 

 

Konditionieren ist Lernen. Man muss als keine Angst vor ihr haben. Die Konditionierung beisst nicht. Versprochen!

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